Nachhaltigkeit im Leben – die Realität ist ein Schwein.

Alpengletscher schmelzen, Hitzewellen überrollen das Land, der Meeresspiegel steigt, das Tier- und Pfanzensterben ist fühlbar, die Anzeichen für eine Völkerwanderung nehmen zu. Die Sommer werden heißer und die Winter wärmer. Plastikmüll umkreist die Kreuzfahrtschiffe auf den Weltmeeren. Klimawandel und Erderhitzung bestimmen in weiten Teilen den politischen Diskurs und die wirtschaftlichen Überlegungen. Und trotzdem tun wir uns schwer damit, nachhaltig zu handeln und zu leben. Stattdessen sind wir Weltmeister im Verdrängen und Ignorieren. Die Autos werden größer, der Grill wird voller und der Pool im Garten ist alternativlos. Das ist normales menschliches Verhalten, denn Verhaltensänderung ist immer etwas für andere. Das ist die Verhaltensrealität. 

Klimawandel oder Erderwärmung?

Die Entwicklung bei den Googleabfragen der letzten Jahre ist eindeutig. Der Begriff Klimawandel gewann deutlich die Abfrageoberhand. Begründet werden kann dies u. a, damit, dass die gefühlte Verantwortung für den Klimawandel eher beim Klima selbst und die für die Erderwärmung bei uns Menschen liegt. Das Abfrageverhalten ist auch ein aktiver Akt der Verdrängung unserer eigenen Verantwortung.

Flugreisen – warum denn nicht?

Auch hier gibt es das Phänomen der doppelten Buchführung. Einerseits essen wir weniger Fleisch und kaufen im Bioladen ein. Andererseits gönnen wir uns dafür einen Flug. Das passt schon. 

„Friday-For-Future“ – die verlogene Generation!?

Die junge Generation probt freitags den Aufstand, um sich am Samstag ein neues Handy zu leisten!? Und die Älteren? Die stellen fest: die Jungen sind es, die Scheinheiligen. Es ist einfach. Die Projektion ist ein beliebter Abwehrmechanismus, um uns selbst moralisch zu entlasten. 

Die Nachhaltigkeitsrealität ist ein Schwein [und wir wollen den Tieren nichts Böses]. Können wir wirklich nur so schwer etwas tun? Ginge es beim Geld vielleicht einfacher?

Und beim Geld?

Da könnten wir es anders machen. Da könnten wir es einfach machen. Da könnten wir aktiv sein. Warum ist denn die ESG-Anlageempfehlung die Option und nicht der Standard? Warum tun wir so, als ob wir noch eine Wahl hätten? ESG ist doch keine Frage des Gewissens – nicht 2021. Stellen Sie Ihre Vermögensempfehlungen um. Die ESG-Ausrichtung ist der neue Standard, das Normale, das Ertragbringende, das Zukunftsichernde, das Planetenschonende. Stellen Sie sich vor, Privatanlegende müssten die ESG-Ausrichtung ihres Vermögens aktiv abwählen. Richtig – das werden die Wenigsten tun! 

Vertreiben Sie den Schweinehund der Verdrängung und der Projektion! Es geht. Auch beim Geld.

DIE TRENNWAND AUF DEM BERATUNGSTISCH

Auf vielen Beratungstischen ist sie heute zu finden, die transparente Trennwand. Auch wenn sich Beratende schnell an diese gewöhnt haben, so ist es doch für viele Kunden eine besondere Situation. Typischerweise kennen wir ähnliche Trennwände von solchen Orten, an denen eine Strafe verbüßt wird. Heute schafft eine Trennwand Sicherheit vor einer möglichen Ansteckung.

Wenn Kunden zu den Beratungsterminen kommen – und sie kommen nur, wenn das Thema für sie wichtig ist –, erwarten sie zu Recht, dass für ihren gesundheitlichen Schutz gesorgt ist. Das Einhalten von Hygienestandards ist dabei keine Entscheidung der Beratenden, sondern vielmehr ein Gebot der gegenseitigen Achtsamkeit. Die Trennwand signalisiert: Wir schaffen eine Atmosphäre der Sicherheit.

141857461

Der Monitor spielt immer mehr eine wichtige Rolle in der Beratung. Die meisten Anwendungen sind dabei nicht für die Fernansicht und erst recht nicht für eine Betrachtung durch eine weitere Scheibe ausgelegt bzw. optimiert. In einigen Sparkassen und Banken wird daher mit einem weiteren Monitor auf dem Kundentisch beraten. Das ist gerade in der aktuellen Situation sehr hilfreich.

EMPFEHLUNGEN für die Trennwand auf dem Beratungstisch:

  • Sorgen Sie dafür, dass die Trennscheibe immer glasklar geputzt ist.
  • Setzen Sie sich probeweise auf die Kundenseite des Beratungstisches und achten Sie auf Spiegelungen in der Trennscheibe. Vermeiden Sie diese durch ein geschicktes, aber sicheres Aufstellen.
  • Die Trennscheibe sollte eine Größe haben, die einen störungsfreien Durchblick ermöglicht. Sind eine Seiten- oder die Oberkante im Kundenblickfeld (auch auf den Monitor), erschwert dies die Kommunikation.

FAZIT:
Die verordneten Hygieneregeln sind nur Mindeststandards. Leben Sie diese aus Achtsamkeit vor Ihren Kunden. Wichtig hierbei ist nicht, was Sie als Beratende darüber denken. Vielmehr stehen der Schutz Ihrer Kunden, das Schaffen eines möglichst angenehmen Beratungsumfeldes und das Beachten möglicher Kundenerwartungen an ein ansteckungsvermeidendes Verhalten im Vordergrund.

Kommunikation im Zeichen der Maske

Auch damit müssen Beratende und Kunden in Finanzdienstleistungsunternehmen umgehen: eine Maske bedeckt einen großen Teil ihres Gesichtes. Die Mimik lässt sich mehr erahnen, als dass sie wirklich sichtbar wird. Zum Glück ist die Kontaktaufnahme evolutionsbiologisch so angelegt, dass die Augen die wesentlichste Rolle dabei spielen. 
Und trotzdem ist es so, dass die Maske wie eine Barriere wirken kann. Erst recht, wenn sich Menschen gerade kennenlernen. Emotionen wie Wut, Ekel und Trauer drücken wir stark über den Mund aus. Freude eher über die Augen. Es ist daher möglich, das typische Reaktionen unter Maske nicht einfach erkannt werden können. So können wichtige Informationen verloren gehen oder fehlgedeutet werden. Eine umso größere Bedeutung hat daher die Wortverwendung in den Kundengesprächen. 

Reden mit der Maske 

Das Sprechen mit einer Maske vor dem Mund ist nicht einfach. Weil die Stimme gedämpft ist und die Mimik fehlt, fällt ein großer Teil der Informationen weg, die wir unbewusst wahrnehmen. 
– Verwenden Sie kürzere Sätze und legen Sie einen höheren Wert auf Ihre Betonung. Achten Sie dabei besonders auf eine langsamere, deutlichere, klare und etwas lautere Aussprache. 
– Sprechen Sie lauter. Dabei sollten Sie das Maß finden, bei dem sich Ihre Kunden nicht als schwerhörig eingestuft betrachten. 
– Vermeiden Sie Füllwörter.
– Seien Sie besonders sorgsam bei der Aussprache von Zahlwörtern, sonst geht es hier schnell durcheinander.

Da auch Kunden Maske tragen und vermutlich weniger auf Ihre Sprachverwendung achten, ist es an den Beratenden, ganz besonders aufmerksam zuzuhören.

Nicht rot, nicht bunt und nicht lustig!

Achten Sie bei der Auswahl der Maske darauf, dass diese nicht zum Blickfang für Ihre Kunden wird. Bunt ist schön und rot ist eine Signalfarbe. Bunte und rote Masken gehören daher zum Karneval aber nicht in die Beratung von Kunden! Verzichten Sie auf Masken mit Werbeaufdrucken oder anderen Botschaften. Diese nehmen Ihnen jegliche Souveränität und Glaubwürdigkeit. Darüber lenken Sie Ihre Kunden deutlich von der ohnehin bereits  eingeschränkten Kommunikation mit Ihnen ab. Masken können nicht unauffällig getragen und sollten deshalb in einem neutralen Farbton gehalten werden. Neutral ist normal!

Wichtig! Die Maske ist neu und scheint ein Kommunikationshindernis zu sein. Zum Glück findet die wesentliche zwischenmenschliche Kommunikation über die Augen und die Augenpartie statt. Achten Sie auf besonders auf die Sprache – bei sich und bei Ihren Kunden. Die Maske wird normal aber nicht beliebt.

Nachhaltigkeit – Verantwortungsbewusstsein ist keine Generationenfrage

Nachhaltiges Investieren ist keine neue Idee. Über Jahre hinweg haben ethische und Umweltinvestments ein Nischendasein geführt und waren selten mehr als ein Mode- oder Trendthema für das Kundendepot. Jetzt zeigt die aktuelle Entwicklung im Kundenverhalten zunehmend, dass neben den Entscheidungen im Alltag auch bei der Vermögensanlage stärker darauf geachtet wird, wo und mit welchen Auswirkungen der eigene Euro angelegt ist und werden kann.

Es setzt sich die Idee durch, das eigene Vermögen verantwortungsbewusst und nachhaltig zu investieren: Die Anlage in Unternehmen und Ländern, in denen Arbeitnehmerrechte geachtet werden, Kinderarbeit verboten ist und in denen soziale Mindeststandards gelten sowie eingehalten werden, steht dabei ebenso im Mittelpunkt, wie Investitionen in umweltschonend und klimaschonend produzierende Unternehmen oder aber auch der Ausschluss von Waffen und/oder Tabakproduzenten sowie Herstellern von Alkohol.

Unterscheiden sich die Generationen in der individuellen Umsetzung? Studien kommen zum Ergebnis, dass die Generation der über 50-Jährigen klare Ausschlusskriterien bei einer nachhaltigen Ausrichtung ihrer Vermögensanlage präferiert. Erklärt werden kann dies mit einem breiten Schatz von Lebens-, Erlebens- und auch Anlageerfahrungen. Blickt man auf die Verteilung vorhandener Vermögen in Deutschland, wird deutlich, dass diese Kundengruppe ihren Beitrag leisten möchte und aufgrund der vorhandenen Vermögenswerte auch leisten kann.

Und die jüngeren Generationen? Für die 18bis 29-Jährigen zeigen die Befragungen deutlich, dass „die Rettung der Welt“ im Vordergrund ihrer Überlegungen steht. Die Rettung der Welt? Mehr nicht? Die Erwartung ergibt sich unter anderem aus einer zugespitzt radikalen Sicht auf die aus ihrer Sicht wenig ausreichenden Maßnahmen zum Klimaschutz, zu den täglichen Schockmeldungen zum Zustand der Erde, dem dokumentierten entseelten Umgang mit Menschen und Tieren sowie anderen menschen- und klimaschädlichen Verhaltensweisen. Man kann daraus schließen, dass jüngere Sparende demzufolge für unterschiedlichste Anlage- und Sparlösungen aufgeschlossen sind, welche auf Nachhaltigkeit abzielen und in diesem Sinne geeignet für „die Rettung der Welt“ sind. Bereits heute lässt sich in der Beratung jüngerer Kunden beobachten und erleben, dass sich nachhaltige Produktlösungen sehr viel einfacher und mit größerem Involvement der Kunden positionieren lassen. Gerade bei Sparplänen zur Zukunftssicherung ist eine sehr große Aufgeschlossenheit zu spüren.

Fazit:
Für Beratende, die das Thema Nachhaltigkeit bisher vernachlässigt haben, gibt es somit gute Gründe, dies zu ändern. Es wird nicht wieder verschwinden!

Nachhaltigkeit ist keine Frage des Gewissens!

Wissenschaftliche Erkenntnisse aus den vergangenen Jahren sind eindeutig: Klima und Umwelt verändern sich teilweise dramatisch. Der aktuelle Verbrauch natürlicher Ressourcen schränkt künftige Handlungsmöglichkeiten ein und geht zulasten der Ärmsten. Während Mitteleuropa noch gut in der Lage ist, auf erlebbare Umweltveränderungen zu reagieren, ist das in anderen Teilen der Erde schon nicht mehr möglich. Das vorhandene Wissen ist so umfassend, dass potenzielle Handlungsszenarien gut darstellbar sind. Die Folgen und Konsequenzen kriegerischer Auseinandersetzungen sind über die für alle erlebbaren Flüchtlingsströme im Alltag unseres Lebens angekommen. Persönlich Erlebbares und das Wissen über Zukunftsszenarien gehen längst weit über den Status von Gewissensdebatten hinaus. Aus der Gewissensfrage von gestern ist heute eine wissenschaftsbasierte Zukunftsfrage mit weitreichender Bedeutung geworden. Das wirkliche Erleben sowie wissenschaftliche Realitäten machen eine Gewissensdebatte entbehrlich.

Sollen Beratende die Nachhaltigkeitsfrage als Gewissensfrage in der Beratung stellen?

Wer Nachhaltigkeitserkenntnisse und ESGKriterien in Kundengesprächen als Gewissensfrage postuliert, stellt nicht nur vorliegende wissenschaftliche Erkenntnisse infrage, sondern eröffnet möglicherweise eine ethisch-moralische Kundendebatte. Dafür ist die Kundenberatung nicht der richtige Ort. Kunden sind gut in der Lage, wissensbasiert und informiert zu entscheiden, ob für sie eine nachhaltig ausgerichtete Vermögensstruktur infrage kommt.

Ist in der Vergangenheit immer wieder diskutiert worden, ob nachhaltige Investitionen die Rentabilität belasten, belegen zahlreiche Statistiken und Studien eine Korrelation zwischen positiver Performance und nachhaltigem Anlagestil. Aber ist das für Privatanlegende überhaupt ein entscheidender Anlagegrund? Ein gestiegener Teil der Privatanlegenden (im Übrigen ebenso wie immer mehr institutionelle Anleger) ist davon überzeugt, dass sich gewinnorientiertes Investieren und ein gutes Gewissen gar nicht widersprechen müssen. Privatanlegende, die sich mit einer nachhaltig ausgerichteten Vermögensstruktur oder nachhaltigen Anlagebausteinen beschäftigen, verzichten nicht auf mögliche Gewinne. Sie möchten diese aber „enkeltauglich“ sowie klima- und planetenschonend erreichen.

Folglich ist es nur konsequent, dass die Frage „Gewissen oder Gewinn“ nicht Gegenstand des Kundengesprächs sein sollte. Nachhaltigkeit setzt einen neuen Rahmen um die bekannten und nach wie vor gültigen Anforderungen der Vermögensanlage Liquidität, Ertrag und Sicherheit. Sie schafft aber kein neues Spannungsfeld!

Die Erde ist keine Scheibe und der Mensch kein Homo Oeconomicus!

Beim Lesen einer guten Befragung der Frankfurt School of Finance and Management im Auftrag der Deutschen Börse AG fiel uns der folgende Satz ins Auge: „Emotionen scheinen folglich auch im Bereich von Finanzentscheidungen eine wichtige Rolle zu spielen.“ 

Spannend und lobenswert ist, dass im Jahr 2020 von der Finanzszene Emotionen als entscheidungsbeeinflussende Faktoren überhaupt in Betracht gezogen werden. Das ist ein weiter gedanklicher Vorstoß, jedenfalls für diese Branche.

Fakt ist 2020, dass Emotionen als wesentliche Entscheidungsfaktoren in der Verhaltens- und Entscheidungsforschung sowie im neurobiologischen Entscheidungsverlauf als wesentlichster Entscheidungsfaktor anerkannt sind und bereits seit einigen Jahren umfassend diskutiert werden. Es scheint nicht mehr, es ist so. Und diese Erkenntnis aus der Verhaltensforschung gilt eben auch für den Umgang mit Aktien, Geld, Risiken u.v.a. mehr. Aber warum tut sich die Branche so schwer damit?

In der aufgeführten Broschüre kann gelesen werden, dass die Befragten auf die Frage: „Nennen Sie bitte spontan drei Gefühle, die Sie mit dem Begriff „Aktie“ verbinden.“ unter anderem mit „Geld“ und „Börse“ antworten. Geld und Börse sind definitiv keine Gefühle und keine Emotionen, oder?  Aber die Befragten scheinen sehr viele Gefühle und Emotionen damit zu verbinden. Und das ist ausschlaggebend. Ausschlaggebend für den Umgang mit Aktien sowie ausschlaggebend für die Beratung und Betreuung von Privatanlegenden. 

„Die Erde scheint eine Kugel zu sein.“  – hier haben die meisten Menschen auf der Erde verstanden, dass es wohl nicht so ist. 
„Emotionen scheinen folglich auch im Bereich von Finanzentscheidungen eine wichtige Rolle zu spielen.“  – hier arbeitet ein Branche noch daran, wiss. Erkenntnisgewinn konsistent anzuerkennen und vor allem kundenorientiert anzuwenden. Es lohnt sich: Für den Ertrag der Branche und für den Ertrag der Kunden. Traut Euch!

Nach Covid 19: „Alles wird anders sein.“ – Wirklich?

Kaum eine Prognose kommt im Moment ohne den Hinweis darauf aus, dass nach Corona die Welt eine andere sein wird. Ich überlege noch, ob es sich dabei um eine Drohung oder eine mich hoffend stimmende Botschaft handelt. Nach Corona wird aber mit Sicherheit die Zeit kommen, in der viele Fragen gestellt werden. Das ist nach jeder Krisensituation so.
Ja, auch Beratende werden und sollten sich Fragen, wie sie während der Coronazeit mit ihren Kunden umgegangen sind. Die Fragen und vor allem die Antworten darauf könnten hilfreich sein, die eigene Rolle, das eigene Verhalten und die eigene Bedeutung für die Kunden zu überdenken. Die Antworten geben auch einen Hinweis darauf, wie und warum sich Kunden verhalten, wie sie sich verhalten. Zur Hilfestellung haben wir ein paar Nachdenkfragen zusammengestellt:

  1. War ich da, als meine Kunden [möglicherweise] Kummer hatten?
  2. War ich zu arglos und habe Kundenbedenken als banal oder hysterisch abgetan?
  3. Habe ich mich wie ein achtsamer Begleiter meiner Kunden verhalten?
  4. Habe ich Geschäft und Neugeschäft gesichert?
  5. Habe ich Vertrauen gerechtfertigt und vor allem gestärkt?
  6. Habe ich Kundenerwartungen eingehalten?

Wenn Sie beim Lesen darüber nachdenken: es geht nicht um ein einfaches „ja“ oder „nein“. Vielmehr geht es um die mit dem „ja“ oder „nein“ verbundenen Handlungskonsequenzen. Können und werden sie diese schätzen oder auch aushalten? Beratende bestimmen jetzt und vor allem selbst, wie sie von ihren Kunden wahrgenommen werden.

„Alles wird anders sein“ – dass wünsche ich mir, mit dem Blick auf die Tätigkeit von kundenachtsamen Beratenden nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn Sie Ihre Kunden bisher, heute insbesondere und auch morgen ehrlich in den Mittelpunkt Ihrer Tätigkeit und Bemühungen stellen. Dann machen Sie Vieles richtig. Wenn auf Sie, wie immer Verlass war und ist, dann ist ein „das machen wir auch weiter so“ eine wirklich gute Handlungsidee. Sprechen Sie mit Ihren Kunden darüber.

 

Krisenkommunikation ist nichts für Laien!

Wir sind im Krieg.“, E. Macron, Staatspräsident Frankreich
Es geht um Leben und Tod.“, A. Laschet Ministerpräsident NRW
Es geht wirklich um Leben und Tod.“, M. Söder, Ministerpräsident Bayern
„… Kampf gegen das Virus.“, A. Laschet, Ministerpräsident NRW
Es geht um Leben und Tod für uns alle.“, O. Scholz, Finanzminister D.
„… und sein Team kämpfen an vorderster Front gegen das Virus.“, M. Engel, Tatortreiniger
Wir sind an der Front ohne Munition.“, FAZ, 07.4.2020

Das sind nur einige Zitate zur derzeitigen Krisenkommunikation rund um den Coronavirus. Ist in Frankreich die Kriegsrhetorik durchaus üblich, so ist sie in D. ein neues Mittel der Wahl. Aber ist sie ein gutes Mittel in der aktuellen Situation?

Wer mit dieser Art der Krisenkommunikation, die für Menschen existenziellste aller Fragen aufwirft, kann, darf und sollte sich nicht über die erlebbaren Reaktionen wie Hamsterkäufe wundern. Hamsterkäufe sind auch keine irrationalen Handlungen, die irgendwie stattfinden. Es sind Reaktionen von Menschen, denen gerade erklärt wurde, dass sie der Tod treffen kann. Jetzt, hier und heute und vor allem überall. Das Verhalten ist evolutionsbiologisch normal, der mögliche Hunger ist eine der größten menschlichen Ängste. Bevorratung ist das einfache Mittel der Wahl. Wer das negiert, nicht versteht oder eben einfach nicht in seiner Wortverwendung beachtet, muss die Folgen aushalten.

Auch wenn die Landwirtschaftsministerin J. Klöckner keinen „Anlass für Hamsterkäufe“ sieht, hat sie mit ihren Äußerungen dieser Art, dieses besondere Verhalten verstärkt. Mit solchen Botschaften erinnert sie auch noch die Letzten an deren bestehende Bevorratungslücken.

Um es kurz zu machen: die Krisenkommunikation war und ist lehrbuchreif unkoordiniert und/oder einfach schlecht. Und wir sprechen noch nicht einmal darüber, dass die notwendigen und verordneten Verhaltensregeln gerade in einem Wirrwarr enden. Denken Sie einfach nur an die diversen Abstandsregeln. Regeln in besonderen Situationen müssen einfach, verständlich und klar für alle sein. Das sind nicht nur die Abstandsregeln gerade nicht.

Und in Banken und Sparkassen? Naja, auch hier ist die Kundenkommunikation auf einem stark ausbaufähigem Niveau. Oder wie finden Sie die folgende Botschaft? Einfach nur lustig oder doch schon schwierig?

Bildschirmfoto 2020-03-19 um 20.40.06

Passen Sie auf, wie Sie mit Ihren Kunden sprechen. Es lohnt sich gerade jetzt und vor allem etwas länger über die Wortverwendung nachzudenken!

Kundenkommunikation – Stillhalten ist keine Option!

Die Zeiten sind gerade besonders und vor allem in vielen Dingen neu. Das uns ein echter Virus so zu schaffen macht, das hatten wir nicht auf dem Schirm. Das ist wirklich neu. Bei all dem Neuen vergessen wir oft das Alte und sind auch schnell dazu geneigt, alte Regeln über Bord zu werfen, anzupassen oder auch auszusitzen. Das gilt auch und gerade für den Umgang mit Privatanlegern.

Wenn Vertrauen doch die Basis einer Kundenbeziehung ist, dann ist es gerade jetzt an der Zeit, sich wieder daran zu erinnern, das die alten Regeln der sozialen Interaktion zur Vertrauensbildung nach wie vor gelten. Es ist eine gute Zeit, um sich zu zeigen, um Hilfe und Unterstützung oder einfach nur Zeit für ein gutes Gespräch anzubieten.

Gerade jetzt ist es wichtig, Kontakt zu Kunden aufzunehmen und soziale Nähe erlebbar werden zu lassen. Ohne dabei die Gedanken und vor allem die Ansprache auf Produkte, Produktempfehlungen und andere Vertriebsideen zu richten. Es ist eine gute Zeit um zu zeigen, dass das Interesse am Leben der Kunden (auch ohne Produktanlass oder Vertriebskampagne) groß und ehrlich ist.

Wie oft höre ich im Moment „Es ruft kein Kunde an.“ oder „Es beschweren sich ja keine Kunden“. Das ist das als Henne-Ei-Dilemma bekannte Problem von „Wer oder Was war zuerst da?“ Kommen Sie Ihren Kunden zuvor, nehmen Sie den Kontakt auf!

Wie es einfach, krisenbewusst und gut vorbereitet gelingen kann, darüber sprechen wir in unserem Webinar am 03.4.2020 ab 12.30 Uhr. Anmelden können Sie sich hier.

Stillhalten ist keine Option und Hoffnung keine Strategie! Gerade jetzt nicht.

Finanzbildung und der Zinseszinseffekt

Der Zinseszinseffekt ist eine einfache Sache. Jedenfalls wenn es Zinsen gibt.

Bildschirmfoto 2020-02-25 um 16.30.10.pngQuelle: Sparkasse.de

Unser Leser K. ist ein Mathegenie und stellte die einfache Frage, wann der Zinseszinseffekt in diesem Beispiel erste Früchte trägt.

Bildschirmfoto 2020-02-25 um 16.44.21.pngQuelle: auf einer Sparkassenseite

Nun ja, wir verfügen durchaus über einen gewissen Grundoptimismus. Und dann ging die Rechnerei los …. nehmen wir ganz einfach 25.000 Euro …

… und nach 1.767 Jahren geht es los mit dem Zinseszinseffekt. Jedenfalls wenn großzügig aufgerundet wird. Wird aus Ertragsgründen abgerundet, werden es 1.981 Jahre. Also nochmal, wir sind ja optimistisch, aber …

Liebe Sparkasse, egal warum das Angebot so aussieht. Aber nehmt doch wenigstens den Hinweis mit dem Zinseszins aus dem Angebot. Es wird nicht wirklich besser.