Schafft eine breite Vermögensdiversifikation wirklich mehr Sicherheit für Privatanleger?

Mit dem Blick auf die aktuellen Anlagemöglichkeiten wird schnell klar, dass nur eine gute Vermögensstruktur zu mehr oder überhaupt noch zu Erträgen für Privatanleger führen kann. Ist das so klar? Oder warum sind Privatanleger nicht in der Lage, diesem einfachen Hinweis ihrer Berater schnell Folge zu leisten?
Sicherheit ist für Anlageberater, also Experten, ein finanztheoretisches Konstrukt. Für Privatanleger, also Laien, ist Sicherheit ein gutes Gefühl und damit immer ein sehr subjektives und vor allem erfahrungsbasiertes Konstrukt. Abgeleitet aus dem lateinischen „se cure“ bedeutet es so viel wie „ohne Sorgen sein“. Sicherheit ist demzufolge keine feste, definierbare und vor allem keine einheitliche Größe in der Anlageberatung. Es wird deutlich, dass auch dieses Gefühl mit jedem Anleger zu besprechen ist.
Im Ergebnis einer finanztheoretisch hergeleiteten Vermögensstruktur stehen unterschiedliche Anlageklassen und Anlagelösungen. Ist für Berater/Beraterinnen das Ergebnis erstrebenswert, sollten sie wissen, dass die daraus resultierende Vermögensvielfalt Privatanleger vor diverse Problem stellt.

  • Privatanlegern sind nicht in der Lage, unterschiedlichste Anlagemöglichkeiten schnell und einfach zu verstehen. Die damit verbundene Informationsmenge übersteigt deutlich die Möglichkeiten der biologisch zur Verfügung stehenden Verarbeitungskapazitäten.
  • Nimmt der Umfang der Anlageklassen zu, werden Privatanleger auch neuen und vor allem mehr Risikofaktoren ausgesetzt.
  • Der Risikoanteil aus der mit der Vermögensstruktur verbundenen Spekulation nimmt zu.
  • Der Risikoertrag nimmt ab, da mit der Risikodiversifikation auch Fehlentscheidungen verbunden sind.
  • Anlageberater sollten wissen, dass die Kundenzufriedenheit unter Berücksichtigung der aufgeführten Punkte eher sinkt als steigt.

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Was kann getan werden?

  1. Die in den letzten Jahren in Banken und Sparkassen propagierten Mengengerüste zum Berater-Kunden-Betreuungsverhältnis gehören der Vergangenheit an. Ein Mehr an Anlagelösungen und damit verbunden ein Mehr an Risiken muss mit einem Mehr an Beratungskapazitäten einhergehen. Ein Anleger ist in diesem Marktumfeld keine einfache betriebswirtschaftliche Rechengröße mehr.
  2. Wenn mehrere Anlagelösungen und damit mehr Risiko zu mehr gefühlter Unsicherheit bei Privatanleger führen, muss diese durch eine höhere Beratungs- bzw. Betreuungsintensität ausgeglichen werden.
  3. Eine breite Vermögensstruktur alleine ist kein Garant für einen angestrebten Mehrertrag oder ein gutes und sicheres Gefühl bei der Vermögensanlage für Privatanleger. Mehr Struktur bedeutet mehr Beratung!

Fazit:

Eine Vermögensstruktur schafft eine finanzmathematische-theoretische Sicherheit für Berater. Für Privatanleger ist sie kein Sicherheitsgarant.  Das Kundengefühl Sicherheit kann nur vom Berater aufgebaut werden – mit viel Fleiß, Zeit, Empathie und unterschiedlichen Anlageformen.

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Neues Jahr, neues Risiko? – über den Umgang mit Risiko in der Anlegerkommunikation

In vielen Aufsätzen, Artikeln und Beiträgen haben wir uns in den letzten Monaten zum Risiko, zur Risikobereitschaft von Anlegern und zum Umgang mit Risiko in der Anlageberatung auseinandergesetzt. Für viele Leser sind unsere Aussagen neu und demzufolge auch schwer in der Anlageberatung umzusetzen. Eine Untersuchung des Allensbach Institutes für den Bundesverband deutscher Banken aus dem Dezember 2015 gibt uns Recht in der Annahme und vertretenen Meinung, dass sich in der Risikokommunikation in der Anlageberatung Wesentliches verändern muss, damit Anleger neue Anlageklassen wählen und somit mit der schwierigen Zinssituation umgehen können. Vertrauen ist immer auch eine Frage der Kommunikation!

Auszug aus den Befragungsergebnissen*:

  1. Banken werden verknüpft mit dem höchsten Risikopotential aller Branchen (noch vor der Gentechnologie).
  2. „Risikobereitschaft“ ist im Leben nicht wichtig (letzter Platz).
  3. Die Worte „Risiko“, „Manager“ und „Aktien“ weisen eine signifikant hohen Unsympathiewert auf (nur Gentechnologie ist unsympathischer).
  4. Die Aversion gegen den Risikobegriff ist seit 1993 signifikant gestiegen (1993: 43% und 2015: 60%)
  5. Nur 13% der Befragten sehen in niedrigen Zinsen ein Risiko.
  6. 61% der Befragten empfinden das Wort „Aktie“ als unsympathisch.
  7. 72% der Befragten befürworten die Regulierung von Banken und Finanzmarkt. Das ist ein Topwert nach den Themen Zuwanderung und Lebensmittelsicherheit.

Unsere Empfehlungen für Ihre Anlageberatung:

  1. Nehmen Sie die Empfindungen Ihrer Kunden/Anleger ernst. Sie sind heute wesentlich wichtiger als Produktvorteile!
  2. Lassen Sie Ihre Kunden/Anleger definieren, was „Risiko“ für Sie bedeutet. Es gibt kein einheitliches Risikoverständnis bei der Vermögensanlage.
  3. Vermeiden Sie Wörter und Ableitungen, welche bekanntermaßen als „unsympathisch“ verstanden werden. Vermeiden Sie diese Wörter, vermeiden Sie auch negative Emotionen!
  4. Das Risikoverhalten von Anlegern im Alltag hat nichts mit dem Risikoverhalten bei der Vermögensanlage gemeinsam. Solche Ableitungen sind falsch!
  5. Achten Sie auf Ihre Wortwahl im Beratungsgespräch – aktiv!
  6. Nutzen Sie ein einfaches Risikosimulationstool. Das Verständnis bei Kunden/Anlegern über die Vermögensaufteilung wächst nachhaltig!
  7. Die Risikokommunikation nach der Anlageentscheidung ist für Kunden/Anleger wesentlich wichtiger als die vor der Anlageentscheidung. Nehmen Sie die Erwartungen, Wahrnehmungen und Empfindungen Ihren Kunden/Anleger nach der Anlageentscheidung ernst!

Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach, „Zwischen Sicherheitsbedürfnis und Risikobereitschaft“ – eine Untersuchung im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken 2015

Risikokommunikation einfach anders

Wenn es unübersichtlich wird, egal ob bei der Vermögensanlage oder im Beruf, dann einfach an die folgenden Regeln denken:

  1. Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.
  2. Früher oder später wird die schlimmstmöglichste Verkettung von Umständen eintreten.
  3. Die Natur ergreift immer die Partei des versteckten Fehlers.
  4. Wurden alle Möglichkeiten ausgeschlossen, bei denen etwas schief gehen kann, eröffnet sich sofort eine neue Möglichkeit.

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Mann oder Frau – unisex auch bei der Risikoermittlung?

Viele wissenschaftliche Versuche haben sich damit beschäftigt, ob Unterschiede im Anlageverhalten zwischen Männern und Frauen feststellbar sind. Der Trend der Untersuchungsergebnisse legt nahe, dass es Unterschiede gibt. Mit ihrer Untersuchung von Aktionären und Aktionärinnen konnte Meck belegen, dass es selbst zwischen Aktienbesitzerinnen und Aktienbesitzern deutliche Unterschiede in der Risikoeinstellung gibt.[1]

In ihren Versuchen belegen Grable und Britt 2011, dass es für die Feststellung der Risikobereitschaft durchaus beeinflussend sein kann, ob die Datenerhebung geschlechterübergreifend durchgeführt wird.[2] Werden Frauen von Männern beraten kann das einen risikoreduzierenden Einfluss haben. Findet im anderen Fall die Risikoaufklärung von Frauen für Männer statt, waren diesen eher bereit höhere Risiken bei der Vermögensanlage einzugehen.

Das es in der Anlageberatungspraxis kaum vorstellbar ist, dass ausschließlich eine gleichgeschlechtliche Anlageberatung erfolgen kann, empfiehlt sich ein sehr systematisches und vor allem strukturiertes Vorgehen bei der Ermittlung der Risikoeinstellung von Anlegern. Es bleibt aber festzuhalten, dass auch bei einer strukturierten prozessgesteuerten Anlageberatung beide Effekte kaum in Gänze vermieden werden können. Berater sollten diese Effekte kennen und daher zu einer sehr systematischen und strukturierten Risikoeinstellungsermittlung ihrer Kunden übergehen.

Der Beitrag ist Bestandteil der wissenschaftlichen Ausarbeitung: „Ausgewählte Einflussfaktoren auf die Risikoeinstellung von Privatanlegern“ welche in Kürze erscheinen wird.

[1] Meck, S., Brenske, P., Back, M. (2012), Die empirische Untersuchung von Werthaltungen und Einstellungen gegenüber Geld – aktuelle Studien In: Finethikon – Jahrbuch für Finanz- und Organisationsethik, Steinbeis-Edition, Stuttgart, Seite 223 ff.

[2] Grable, J., Britt, S. (2011), A Test of the Video Narration Effect on Financial Risk-Tolerance Assessment

Frühjahrsputz für das Gehirn: Was ist eigentlich Risiko?

Gefühlt leben wir in einer Welt voller Risiken und bei allem was uns lieb und wichtig ist sind wir bemüht, Ungewissheiten zu vermeiden. Das gilt so beim Blick auf die eigenen Kinder oder auch beim Blick auf die Möglichkeiten der Geldanlage. Ungewissheit ist für uns Menschen schwer auszuhalten und so sind wir bemüht, diese mit Eintreffenswahrscheinlichkeiten zu versehen. Wir machen also aus der Ungewissheit ein Risiko, um konkrete (Risiko)Vorsorge treffen zu können. Damit unsere Kinder nicht einfach verschwinden, werden diese per GPS überwacht oder besser noch auf Schritt und Tritt begleitet. Damit uns bei der Zukunftssicherung nichts dazwischen kommt, werden bestimmt Anlageformen vermieden. Und schon haben wir ein gutes, ein sicheres Gefühl. Aber gibt es deswegen keine Ereignisse mehr, welche unser Leben oder unsere Geldanlageideen aus der Bahn werfen?

Fakt ist, die Unsicherheit bleibt. Es gibt immer wieder Ereignisse, mit denen so richtig keiner gerechnet hat. Erinnern wir uns an den ersten Armbruch unserer Kinder oder den 11. September 2001. Alle hatten und haben sie Auswirkungen auf unser Leben oder eben unsere Geldanlageideen.

Das Harding-Zentrum für Risikokompetenz schreibt dazu: „Ein Ereignis oder ein Merkmal, das nicht gewiss ist, sondern eintreten oder auch nicht eintreten kann, nennt man ungewiss. Wenn die Ungewissheit aufgrund empirischer Beobachtungen oder kausalen Wissens („Design“) qualifiziert werden kann, so nennt man sie Risiko.“* Darüber hinaus bleibt die Frage offen, ob alle möglichen Ereignisse oder Merkmale überhaupt bekannt sind.

Risikokennzahlen für die Geldanlage sind immer mit Erfahrungswerten verknüpfte Prognosen. Sie geben uns ein besseres Gefühl, machen aber die Anlagewelt nicht sicherer.

Ist es nun besser im Leben vieles nicht zu tun? Nein, vielleicht hilft ganz einfach die notwendige Einsicht und Erkenntnis, dass es immer wieder Ereignisse geben wird, mit denen nicht gerechnet wurde. Weder von sogenannten Experten noch von einem selbst. Und mit dieser Einsicht lebt es sich auch leichter, gerade bei der Geldanlage.

Was hilft? Einsicht in die Ungewissheit und mehr kümmern, also auf dem Laufenden bleiben. Die Einsicht in die Ungewissheit schafft Gelassenheit. Und Gelassenheit sorgt für einen klareren Kopf. Den braucht man für die wichtigen Dinge im Leben oder bei der Geldanlage.

Die Ungewissheit ist eine feste Konstante in unserm Leben – akzeptieren wir das auch bei der Geldanlage, dann ist das sogenannte Risiko nämlich egal 🙂

Quelle: https://www.harding-center.mpg.de/de/gesundheitsinformationen/wichtige-begriffe

alternativlos. verantwortungslos. kundenlos.

Im Handelsblatt war am 24. Januar 2015 von einem deutschen Vermögensverwalter der folgende Satz zu lesen „Wir überzeugen risikoaverse Kunden damit, dass wir ihnen klarmachen, dass es keine Alternative zu Aktien gibt, wenn man mehr als die Minizinsen erzielen möchte.“*

Ja, die niedrigen Zinsen oder besser zinslose Anlageformen sind ein Problem für den Finanzentscheider, aber ist das der richtige Weg alternative Anlageformen anzusprechen?

Bei der Verwendung des Wortes sollten Berater und Beraterinnen nicht vergessen, dass 2011 „alternativlos“ zum Unwort des Jahres gewählt wurde. Die Jury begründete die Wahl wie folgt „Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe.“** Unwörter so die Jury, sind u.a. euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend.***

Fazit:

Wir machen es heute ganz kurz: Die Worte „alternativlos“ und „keine Alternative“ haben in einer objektiven, sachlich und fachlich einwandfreien Beratung keinen Platz! So einfach ist das! Denn erst ist alternativlos verantwortungslos. Danach macht es kundenlos.

Quellen:
* http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/depot-contest-es-gibt-keine-alternative-zu-aktien/10352004-3.html
**   http://www.tagesschau.de/inland/unwortdesjahres110.html
** http://www.unwortdesjahres.net/index.php?id=2

Wieviel Zukunft verträgt der Mensch?

Wie lange ist langfristig, wenn es um Geld oder besser um die Zukunftssicherung geht? Wie hilfreich sind Prognosen wirklich? Warum sind Sparer mit Lebensversicherungen aus der Vergangenheit unzufrieden?

Nun sind die Guthabenzinsen fast bei Null angekommen und damit verbunden stellen sich für viele Anleger und Sparer neue Fragen. Ja, und manche Experten überraschen sogar mit neuen Erkenntnissen. Und Achtung, es ist nicht die Zeit für hektische Entscheidungen!

Immerhin im August 2014, also fast ein Jahrzehnt nach der Einführung der RiesterRente stellt Stiftung Warentest/Finanztest fest, dass sich Riesterverträge auch nur durch die Zulagen rechnen und die Rendite je nach Vertragskonstellation bei ca. 8 Prozent p.a. liegen kann. Diese späte Erkenntnis ist erfreulich, stand aber bereits bei und mit der Auflegung der RiesterRente fest. Eine späte Rechtfertigung für Empfehlungen der Sparpläne?

„Nur der Scham der Banken erspart Minuszins bei Riester“ (welt.de, 13.9.2014). Banksparpläne haben ganz sicher ihre Bedeutung für bestimmte Sparziele. Es bleibt aber zu überlegen, ob eine Zinsentwicklung wie die derzeitige, für Sparzeiträume von 30 oder 40 Jahren ausgeschlossen werden kann und konnte? War den Sparern diese Möglichkeit des nahe Nullertrages bewusst?

Kunden mit fälligen Lebensversicherungen reagieren enttäuscht, wenn Sie ihre Auszahlungsbeträge fälliger Lebensversicherungsverträge sehen. Die vor 3 oder 4 Jahrzehnten prognostizierten Überschussbeteiligungen waren deutlich zu hoch und heute ist die Ernüchterung groß. Es klang aber so gut, damals 1985 bei Vertragsabschluss!

Es ist schwierig eine Prognose für Jahrzehnte abzugeben und eine lange Sparentscheidung zu treffen. Auch bei Abschlussentscheidungen für langlaufende Sparpläne überwiegen die Informationen, die für unsere Gehirn schnell präsent und aktuell verfügbar sind. In Zeiten der Unsicherheit werden oft die Lösungen präferiert, welche die vermeintlich geringeren Risiken für die Zukunft aufweisen. Dabei werden die aktuellen erlebbaren und wahrscheinlich erscheinenden Risiken automatisch in die Zukunft projiziert, der Blick für andere Risiken wird getrübt. Aber nur mit einer solchen Entscheidungsstrategie gelingt es uns, die Abschlussentscheidung einfach und mit möglichst geringem Aufwand zu treffen. Unser Gehirn ist ein Energiesparer –   auch bei schwierigen Entscheidungen!

Wie können solche Entscheidungen besser getroffen werden?

1. Akzeptieren sie den möglichen Entscheidungsfehler!
2. Eine Prognose für zwei oder mehr Jahrzehnte ist nicht wirklich möglich und kann demzufolge auch nicht berechnet werden.
3. Das mehrfache Wechseln von Vertragsarten verursacht hohe Kosten. Die Ungewissheit bleibt.
4. Risiko ist immer das, was wir nicht wissen.
5. Schließen sie mehrere Verträge ab, streuen Sie die sogenannten Risiken und sichern Sie sich vielfältige Chancen.
6. Beobachten Sie die Verträge regelmäßig und vermeiden Sie unbedachte Reaktionen.