Finanzwissen: Selbstsicher daneben liegen

Stellen Sie sich vor Sie kennen sich beim Geldanlegen gut aus. So wies es die meisten Deutschen tun. Und auch die Amerikaner. Die wurden nämlich in einer Studie zu ihren Kenntnissen in Sachen Finanzen befragt. Unter 15 zu erklärenden Begriffen waren drei darunter, die es gar nicht gab. Trotzdem wurden diese von einem Großteil der Teilnehmer gut erklärt. Nachdem die Wissenschaftler die Teilnehmer der Studie auf die „Quatschtermini“ aufmerksam gemacht hatten, wurde der Versuch wiederholt. Und immer noch glaubten 83 Prozent der Teilnehmer, sich bei einem der gezeigten Wörter auszukennen.

Und nun sind Sie dran. Welche der folgenden Anlagelösungen ist erfunden?

A) The Herzfeld Caribbean Basin Fund

B) The Saint-Denis Limited Fund

C) Horizon Access Fund Asian Infrastructure Acc.

Fazit: Wie heißt es doch so einfach: „Wenn du denkst, dass du denkst, dann denkst du, dass du denkst.“

Quelle:
When Knowledge Knows No Bounds: Self-Perceived Expertise Predicts Claims of Impossible Knowledg (Stav Atir, Emily Rosenzweig, David Dunning)

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Halten oder Loslassen – Die Psychologie der Anlage

„Hast du deine Freundin, weil du sie liebst oder liebst du sie, weil du sie hast?“ fragt Prof. Dr. Ivo Bischoff, Finanzwissenschaftler an der Uni Kassel provokant und beschreibt damit den Endowment-Effekt einmal anders. Besitztumseffekt, nannte der amerikanische Verhaltensökonom Richard Thaler 1980 die Wirkung, dass der wahrgenommene Wert eines Gutes höher ist, wenn man es besitzt. In Verhandlungssituationen sinkt dadurch die Bereitschaft zu zahlen als der objektive Wert des Gutes ist. Umgekehrt wird ein höherer Preis gefordert, als das Gut objektiv wert ist. Praktisch sieht das so aus: Schwärmt Ihnen ein Makler bei der Besichtigung von Ihrem Leben in Ihrer neuen Wohnung vor, dann fällt es Ihnen abschließend schwerer sich nach dem Verkaufsgespräch auf Ihrer Terrasse von der Wohnung zu verabschieden.

Nach einem „homo oeconomicus“ klingt das nicht. Dieses in der neoklassischen Wirtschaftstheorie beliebte Idealmodell, des rein rational handelnden Menschen, der in einem vollkommenen Markt agiert, welcher die Preise durch Angebot und Nachfrage reguliert. Aber sowohl die Verhaltenspsychologie als auch die Hirnforschung zeigen, wie stark Emotionen an Wirtschaftsentscheidungen beteiligt sind. Inzwischen gibt es viele Gemeinschaftsprojekte bei denen Wirtschaftswissenschaften, Psychologie und Hirnforschung gemeinsam versuchen, unser wirtschaftliches Verhalten zu ergründen.

Unser Gehirn hat sich in Jahrmillionen Jahren entwickelt. Geld gibt es erst seit einigen Jahrhunderten, erklärt Wirtschaftspsychologe Janko Laumann, Leiter des Instituts für angewandte Finanzpsychologie in Siegen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es im Gehirn keine „Geldregion“ gibt. Im MRT zeigt sich, dass der zum Belohnungssystem gehörende Nucleus accumbens, die für Emotionen und Bewertungen zuständige Inselrinde und der mediale präfrontale Kortex, der für Planen und Abschätzen zuständig ist, beim Kaufen und Verkaufen von Aktien beteiligt sind. Interessanterweise ist der präfrontale Kortex beim Verkauf mit einem hohen Preis aktiver und inaktiver, je höher der Preis beim Kaufvorgang wird. Möglicherweise führt also nicht der Besitz zu einem hohen Verkaufspreis sondern der Verlust.

Aber wie verhalten sich Anleger mit ihren „Steinzeitgehirnen“ zum Phänomen der Geldwirtschaft? Machen sie ihre Entscheidungen von denen anderer abhängig? Die beliebte „Herdenthese“ schied 2006 nach einem Experiment der Bank of England und den Universitäten Heidelberg und Bonn aus. Im Gegenteil – erstaunlich viele der 6.500 getesteten Versuchsper- sonen entschieden sich gerade deswegen gegen eine Aktie, weil sie zuvor von Mitspielern gekauft worden war. Wahrscheinlich reagieren viele vermögende Deutsche mit einer Vermeidungsstrategie auf die Überforderungen der Geldwirtschaft, erklärt Janko Laumann. Die Geldwelt scheint vielen Anlegern zu unübersichtlich und vor allem unkalkulierbar geworden zu sein. Die Menge der täglichen Informationen aus der Finanzwelt ist unüberschaubar hoch. Ein Verarbeiten, Verstehen und in der Folge fehlerfreies und folgenloses Entscheiden ist scheinbar unmöglich. Also werden neue Anlageentscheidungen aus Angst vor Geldverlust vermieden, und das Geld bleibt niedrig verzinst auf dem Konto liegen. Die Konsequenzen niedrig verzinster Anlagen fürchten Anleger offenbar nicht, beschreibt Janko Laumann das Phänomen weiter.

Die funktionelle Magnetresonanztomographie trägt dazu bei, zu verstehen, welche Rolle Emotionen bei Anlageentscheidungen spielen. Bei Simulationen mit Probanden im MRT zeigte sich, dass die Angst vor Verlusten bei vielen Anlegern schon Schmerzen auslöst, wenn sie nur daran denken, erklärt Laumann. Die Vorfreude auf Gewinne hingegen lässt andererseits Risiken kleiner erscheinen, weil das Belohnungszentrum bereits aktiv ist, bevor die Gewinne realisiert werden. Das führt laut Laumann dazu, dass Anleger in Gewinnsituationen zu zeitig die Gewinne realisieren und in Verlustsituationen die betroffenen Anlagen zu spät verkaufen. Die Verhaltensökonomie erforscht plausible Erklärungen für irrationale Verhaltensweisen bei wirtschaftlichen Entscheidungen. Die Erkenntnisse können dazu beitragen, dass Menschen ihre Entscheidungsfähigkeit getrennt von der individuellen Wahl betrachten.

Janko Laumann sieht das praktisch so: Wer sich schon vor der Kaufentscheidung Gedanken darüber macht, was zu tun ist, wenn die Anlage steigt oder fällt, dem kann es gelingen, seine Emotionen zu bändigen und fehlerfreier zu entscheiden. Mit diesem Trick gelang es schon Odysseus als einziger dem Klang der Sirenen zu lauschen und wieder zurückzukehren.

Der Artikel ist erschienen in der Zeitschrift Transparent – Das Magazin für Vermögen, Sinn und Glück, Herausgeber Avesco Financial Services AG, Autorin Christiane Meyer-Ricks, (Freie Journalistin) redaktionsleitung@avesco.de

Emotionen geben Informationen Bedeutung

Erhalten Informationen eine emotionale Bedeutung, fällt das Speichern im Gedächtnis deutlich leichter. Dazu wird neben der Gedächtnisspur für die Information eine weitere Gedächtnisspur für die damit verbundene Emotion angelegt. Je mehr Spuren im Gedächtnis angelegt werden, um so leichter ist das Speichern und Wiederauffinden der Information. Emotionen geben einer Information Bedeutung, Erleichtern das Abspeichern und auch den Abruf der Information.

Dass Menschen von emotional aufgeladenen Ereignissen eindringlichere Erinnerungen formen als von banalen Ereignissen, ist eine Erfahrung, die jeder kennt. Ein extremes Beispiel dafür ist, dass sich fast jeder daran erinnern kann, was er am 11. September 2001 gemacht hat, aber kaum jemand weiß noch, was er am 11. September 2002 erlebt hat.

Joseph LeDoux hat in den 1990er-Jahren wissenschaftlich belegt, dass es aufgrund der bekannten Informationsverarbeitungsprozesse im Gehirn keine nichtemotionalen Entscheidungsprozesse gibt. Alle Entscheidungen sind emotionale Entscheidungen. Bis zum Ende der Pubertät, also bis zum ca. 25. Lebensjahr, dominieren emotionale Entscheidungsprozesse unser Verhalten. Erst nach der Pubertät und mit zunehmendem Alter sind wir immer besser in der Lage Emotionsmanagement zu betreiben. Wir überlegen immer öfter vorher, wie wir reagieren sollten und steuern unsere Emotionen. So vermeiden wir Fehlverhalten und Missverständnisse. Das gelingt uns im Alltag mal besser oder auch schlechter.

Emotionsmanagement in der Kundenberatung hat immer zwei Facetten. Erstens die Emotionsvermeidung zur Erinnerung an unschöne Anlageerlebnisse und zweitens den Emotionsaufbau für die dauerhafte Verankerung von neuen Anlagelösungen.

Mehr zum Thema erfahren Sie hier.

Frühjahrsputz für das Gehirn: Was ist eigentlich Risiko?

Gefühlt leben wir in einer Welt voller Risiken und bei allem was uns lieb und wichtig ist sind wir bemüht, Ungewissheiten zu vermeiden. Das gilt so beim Blick auf die eigenen Kinder oder auch beim Blick auf die Möglichkeiten der Geldanlage. Ungewissheit ist für uns Menschen schwer auszuhalten und so sind wir bemüht, diese mit Eintreffenswahrscheinlichkeiten zu versehen. Wir machen also aus der Ungewissheit ein Risiko, um konkrete (Risiko)Vorsorge treffen zu können. Damit unsere Kinder nicht einfach verschwinden, werden diese per GPS überwacht oder besser noch auf Schritt und Tritt begleitet. Damit uns bei der Zukunftssicherung nichts dazwischen kommt, werden bestimmt Anlageformen vermieden. Und schon haben wir ein gutes, ein sicheres Gefühl. Aber gibt es deswegen keine Ereignisse mehr, welche unser Leben oder unsere Geldanlageideen aus der Bahn werfen?

Fakt ist, die Unsicherheit bleibt. Es gibt immer wieder Ereignisse, mit denen so richtig keiner gerechnet hat. Erinnern wir uns an den ersten Armbruch unserer Kinder oder den 11. September 2001. Alle hatten und haben sie Auswirkungen auf unser Leben oder eben unsere Geldanlageideen.

Das Harding-Zentrum für Risikokompetenz schreibt dazu: „Ein Ereignis oder ein Merkmal, das nicht gewiss ist, sondern eintreten oder auch nicht eintreten kann, nennt man ungewiss. Wenn die Ungewissheit aufgrund empirischer Beobachtungen oder kausalen Wissens („Design“) qualifiziert werden kann, so nennt man sie Risiko.“* Darüber hinaus bleibt die Frage offen, ob alle möglichen Ereignisse oder Merkmale überhaupt bekannt sind.

Risikokennzahlen für die Geldanlage sind immer mit Erfahrungswerten verknüpfte Prognosen. Sie geben uns ein besseres Gefühl, machen aber die Anlagewelt nicht sicherer.

Ist es nun besser im Leben vieles nicht zu tun? Nein, vielleicht hilft ganz einfach die notwendige Einsicht und Erkenntnis, dass es immer wieder Ereignisse geben wird, mit denen nicht gerechnet wurde. Weder von sogenannten Experten noch von einem selbst. Und mit dieser Einsicht lebt es sich auch leichter, gerade bei der Geldanlage.

Was hilft? Einsicht in die Ungewissheit und mehr kümmern, also auf dem Laufenden bleiben. Die Einsicht in die Ungewissheit schafft Gelassenheit. Und Gelassenheit sorgt für einen klareren Kopf. Den braucht man für die wichtigen Dinge im Leben oder bei der Geldanlage.

Die Ungewissheit ist eine feste Konstante in unserm Leben – akzeptieren wir das auch bei der Geldanlage, dann ist das sogenannte Risiko nämlich egal 🙂

Quelle: https://www.harding-center.mpg.de/de/gesundheitsinformationen/wichtige-begriffe

Geld. Zukunft. Demenz.

Mit dem Blick auf die Zukunft bewegt uns Deutsche Vieles. Die Entwicklung der Rente, des Euro, des Wohlstandes und die Steigerungsraten der Gesundheitskosten treiben uns um. Manche beschäftigen sich auch mit der Integration der „Generation Y“ in die Arbeitswelt, aber das wird schon funktionieren!  Banken und Sparkassen diskutieren die Zukunft der Filiale, der Anlageberatung und der Digitalisierung der Geldgeschäfte. Und in manchen Banken und Sparkassen stellt man sich auch auf eine im Durchschnitt immer älter werdende Kundschaft ein. Zum Geldautomaten führt der Weg jetzt über eine schiefe Ebene und beim Onlinebanking kann die Schriftgröße auf ganz groß eingestellt werden. Und schon ist viel erreicht, oder?

Im Ernst, wir werden alle viel länger leben. Heute 75jährige fühlen sich ungefähr 10 Jahre jünger als sie sind. Die BAGSO hat in einer Umfrage erhoben, dass eine große Angst älterer Menschen, die Angst vor Fremdbestimmung ist. Fremdbestimmung über die Belange der eigenen Person, des eigenen Lebens und auch des vorhandenen Vermögens. Demenz/Alzheimer ist ein Grund für diese Überlegungen und mit dem Älter werden steigt auch die Wahrscheinlichkeit, hieran zu erkranken (Prognose der Demenzerkrankten siehe Tabelle).

Prognose
Ein großer Teil der vermögenden Deutschen gehört zur Generation der Älteren und ist demzufolge interessant für Banken und Sparkassen. Im Moment ist Demenz/Alzheimer noch kein Thema, dem sich Banken und Sparkassen aktiv stellen. Der Umgang mit demenzkranken Kunden und deren Angehörigen wird immer alltäglicher und ist ein Glücksspiel: für die Betroffenen, die Angehörigen und auch die Berater in den Finanzinstituten. Der Ausgang der Begegnungen ist oft ungewiss, denn gesetzliche Regelungen treffen auf gegenseitiges Missverständnis, große Unsicherheit im persönlichen Umgang und fehlende Erfahrung. Unwissenheit schafft Unverständnis und bedeutet leider sehr oft das jähe Ende einer jahrzehntelangen Kundenbeziehung. So wie der Alltag für Demenzbetroffene besonders ist, so werden auch die Geldgeschäfte besonders werden. Stellen wir uns darauf ein!

Es wird Zeit, sich dem Thema zu widmen. Nicht nur in der Familie, sondern auch in Banken und Sparkassen, denn die gehören ja gern dazu. Denken wir daran, dass auch wir älter werden – als Berater und als Kunden!

Lesen Sie auch:  GuG_VeranstaltungDemenz_2015

Quellen: Das Wichtigste 1 – Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen, Deutsche Alzheimer Gesellschaft

Der Lockruf der Sparprämie

„Sparen muss sich lohnen, auch bei niedrigen Zinsen.“ Ein einfaches Sparzitat aus dem Jahr 2015. Nicht so einfach scheinen aber die sich daraus ergebenden Deutungsmöglichkeiten zu sein. Denn im Zusammenhang mit dem Zitat wird nach einer neuen Möhre für den Sparer verlangt, einer neuen staatlichen Spar(möhre)prämie.
Das viel ältere Sparzitat: „Spare wenn du kannst, dann hast du in der Not“ bringt den Spargedanken schon viel eher auf den Punkt. Es lohnt sich also der folgenden Frage nachzugehen: Sparen wir nur oder weil es eine Belohnung in Form eines Zinses oder einer Prämie gibt?

Pig on a donkey
Die Erwartungen an über die eigene Sparleistung hinausgehende Zins- oder Ertragszahlung sind von vielen Faktoren abhängig. Heute ist bekannt, dass die Rendite-Erwartung nur eine Sub-Erwartung unter vielen anderen Erwartungen eines Sparers ist. Auch haben die Zinshöhe und Zinsänderungen nur einen geringen Einfluss auf die tatsächliche Sparquote. Es scheint also so zu sein, dass gespart wird, um etwas auf der hohen Kante zu haben. Für ein schnelles oder auch ein langes Sparziel. Und egal wie hoch die Zinsen gerade sind.

Nun ist es sicher aber auch nicht so ganz von der Hand zu weisen, dass in Aussicht gestellt hohe Zins- oder Prämienzahlungen den Entscheidungs- prozess für einen Sparvorgang vereinfachen und verkürzen. Spannend ist hierbei aber die Beobachtung, dass nur wenige Sparer auf die Frage nach der konkreten Verwendung der Zinserträge, eine Antwort finden. Hier überwiegen deutlich die Mitnahmeeffekte.

Folgen Sie uns in der kleinen mathematischen Überlegung. Wer 5 Jahre lang mtl. 100 € spart, legt 6.000 € auf die hohe Kante. Bei einem Zinssatz von 2,5 Prozent p.a. kommen über die Jahre 392 € dazu. 94 Prozent des 5jährigen Sparerfolges stammen also vom Sparer selbst! Haben die der Sparbemühungen in diesem Umfang 10 Jahre Bestand, sind immer noch 90 Prozent des Sparergebnisses Eigenleistung. Nach 20 Jahren noch 78 Prozent. Erst bei deutlicher längeren Laufzeiten und bei deutlich höheren Zinssätzen wird also auch ein deutlicherer Erfolg spürbar. Das ist mit Sparplänen in alternativen Anlageformen gut zu schaffen.

Wer seinen Eigenanteil am Sparerfolg also verringern möchte, hatte und hat dazu verschiedene Möglichkeiten. Da diese aber nicht allen Sparern bekannt sind, lohnt sich ein Gespräch mit einem Berater.

Fazit:

Sparen liegt im persönlichen Interesse, egal wie hoch oder tief die Zinsen gerade sind. Und ja, sparen lohnt sich auch heute noch, obwohl die Zinsen historisch niedrig sind und es (noch?) keine neue Spar(möhre)prämie gibt.
Mit dem Blick auf die Sondersparprämie bleibt mindestens eine Fragen offen: Bekommt auch ein Eigenheimfinanzierer und somit Niedrigstzinsprofiteur eine Sparsonderprämie auf sein Sparguthaben? Aber das kann jemand anders erklären …

Danke Kai für deine Ideen und Anregungen zum Beitrag!

Warum Frauen ihren Frisör lieben! – Teil 1

Was unterscheidet einen Damenfrisör von einem Kundenberater einer Bank/Sparkasse? Glückliche Frau im Spiegel Der Frisör weiß, dass das Ergebnis seiner Arbeit zur Persönlichkeit seiner Kundin passen muss, ja muss. Und sehr regelmäßig trägt er mit seinem Schneiden, Fönen, Legen und ja, sogar dem Färben der Haare zum Wohlbefinden seiner Kundin bei. Beim Frisör ist es klar (meistens jedenfalls), eine Frau geht nur selten oder eher nicht in einen Herrensalon. Und in der Bank/Sparkasse? Wird da zwischen Frauen und Männern überhaupt unterschieden? Oder ist es möglich, das in der neuen „Unisexwelt“ der Tarife und Anlagelösungen Frauen und Männer die nahezu gleiche Leistung erhalten oder besser abbekommen? Wenn ja, warum eigentlich? Frauen – besitzen hochsignifikant öfter ein Sparbuch, – sind hochsignifikant öfter im Bausparen engagiert, – besitzen deutlich weniger Aktien, Schuldverschreibungen, Fonds und Zertifikate, – sind deutlich risikoaverser, – nutzen das Internet für Geldgeschäfte deutlich weniger, – suchen hochsignifikant öfter die persönliche Beratung, – informieren sich sehr viel weniger selbstständig über Geld, – sehen in Krisenzeiten hochsignifikant seltener Investitionschancen und – würden ihre Vermögensanlage sehr viel häufiger aus ethischen Gründen ändern als Männer.* Ja, damit werden die landläufigen Vermutungen, Annahmen und Erwartungen bestätigt. Aber das ist ja nicht die Erkenntnis aus der Befragung. Vielmehr sollten wir die Frage stellen, wie in der Kunden- und Anlageberatung, in der Vertriebssteuerung und im Marketing mit diesen doch sehr unterschiedlichen Einstellungen von Männern und Frauen umgegangen wird. Ja auch wir kennen „unisex“ – aber auch in der Beratung einer Bank/Sparkasse würde es gut in die Zeit passen, wenn signifikante Verhaltens- und Anlageunterschiede zwischen Kundinnen und Kunden berücksichtigt werden. Das gilt sowohl bei der Segmentierung bzw. Auswahl von Kundengruppen für bestimmte Anspracheanlässe als auch und noch viel mehr in der persönlichen Beratung. „Unisex“ sind nur die Tarife und Anlagelösungen. Wenn die Beratung und darüber hinaus die Kundenbegleitung und -betreuung bei Ihnen „unisex“ ist, dann hat das mit einer kundenorientierenden persönlichen Beratung sehr wenig zu tun. Fragen Sie sich nach Ihren Beratungsgesprächen ruhig einmal: „Was hätte ich anders gemacht, wenn mein Kunde eine Frau gewesen wäre?“ Wir hoffen, dass Ihnen jetzt etwas einfällt! Fazit: „Unisexverhalten“ bei der Geldberatung macht nicht sexy! Leben Sie den Unterschied und Ihre Kundinnen und Kunden lieben Sie! *Quelle: Finethikon: Jahrbuch für Finanz- und Organisationsethik, Band 2 (2011), Aufsatz „Geld ist gut!“, Prof. Dr. S. Meck/P. Brenske ** Bild: Fotalia.com