Wieviel Zukunft verträgt der Mensch?

Wie lange ist langfristig, wenn es um Geld oder besser um die Zukunftssicherung geht? Wie hilfreich sind Prognosen wirklich? Warum sind Sparer mit Lebensversicherungen aus der Vergangenheit unzufrieden?

Nun sind die Guthabenzinsen fast bei Null angekommen und damit verbunden stellen sich für viele Anleger und Sparer neue Fragen. Ja, und manche Experten überraschen sogar mit neuen Erkenntnissen. Und Achtung, es ist nicht die Zeit für hektische Entscheidungen!

Immerhin im August 2014, also fast ein Jahrzehnt nach der Einführung der RiesterRente stellt Stiftung Warentest/Finanztest fest, dass sich Riesterverträge auch nur durch die Zulagen rechnen und die Rendite je nach Vertragskonstellation bei ca. 8 Prozent p.a. liegen kann. Diese späte Erkenntnis ist erfreulich, stand aber bereits bei und mit der Auflegung der RiesterRente fest. Eine späte Rechtfertigung für Empfehlungen der Sparpläne?

„Nur der Scham der Banken erspart Minuszins bei Riester“ (welt.de, 13.9.2014). Banksparpläne haben ganz sicher ihre Bedeutung für bestimmte Sparziele. Es bleibt aber zu überlegen, ob eine Zinsentwicklung wie die derzeitige, für Sparzeiträume von 30 oder 40 Jahren ausgeschlossen werden kann und konnte? War den Sparern diese Möglichkeit des nahe Nullertrages bewusst?

Kunden mit fälligen Lebensversicherungen reagieren enttäuscht, wenn Sie ihre Auszahlungsbeträge fälliger Lebensversicherungsverträge sehen. Die vor 3 oder 4 Jahrzehnten prognostizierten Überschussbeteiligungen waren deutlich zu hoch und heute ist die Ernüchterung groß. Es klang aber so gut, damals 1985 bei Vertragsabschluss!

Es ist schwierig eine Prognose für Jahrzehnte abzugeben und eine lange Sparentscheidung zu treffen. Auch bei Abschlussentscheidungen für langlaufende Sparpläne überwiegen die Informationen, die für unsere Gehirn schnell präsent und aktuell verfügbar sind. In Zeiten der Unsicherheit werden oft die Lösungen präferiert, welche die vermeintlich geringeren Risiken für die Zukunft aufweisen. Dabei werden die aktuellen erlebbaren und wahrscheinlich erscheinenden Risiken automatisch in die Zukunft projiziert, der Blick für andere Risiken wird getrübt. Aber nur mit einer solchen Entscheidungsstrategie gelingt es uns, die Abschlussentscheidung einfach und mit möglichst geringem Aufwand zu treffen. Unser Gehirn ist ein Energiesparer –   auch bei schwierigen Entscheidungen!

Wie können solche Entscheidungen besser getroffen werden?

1. Akzeptieren sie den möglichen Entscheidungsfehler!
2. Eine Prognose für zwei oder mehr Jahrzehnte ist nicht wirklich möglich und kann demzufolge auch nicht berechnet werden.
3. Das mehrfache Wechseln von Vertragsarten verursacht hohe Kosten. Die Ungewissheit bleibt.
4. Risiko ist immer das, was wir nicht wissen.
5. Schließen sie mehrere Verträge ab, streuen Sie die sogenannten Risiken und sichern Sie sich vielfältige Chancen.
6. Beobachten Sie die Verträge regelmäßig und vermeiden Sie unbedachte Reaktionen.

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Strategisch an der Keksbörse

A cute looks at a pile of cookies

Dank geschickter Spekulationen mehren bereits Fünfjährige ihr »Vermögen«.

Schon Kleinkinder denken wirtschaftlich und häufen, wenn möglich, Besitz an. Das Team um Valérie Dufour von der Université de Strasbourg gab Kindern von drei bis acht Jahren eine mittelgroße Süßigkeit in die Hand. Diese konnten sie entweder gleich vernaschen oder gegen den Inhalt einer von sechs Plastikschalen tauschen. Welche, entschied allerdings das Glückslos! Die Schalen enthielten, für die Kinder gut sichtbar, entweder eine kleinere, eine identische oder einen größere Menge an Leckereien. Bis zum Alter von vier Jahren bezogen die Kleinen Aussichten auf Erfolg und Verlust nicht in ihre Tauschentscheidungen ein. Lediglich bei Durchgängen, in denen sie nur gewinnen oder nur verlieren konnten, beeinflusste die Belohnung in den Behältern ihre Wahl. Fünfjährige dagegen passten ihre Entscheidung an die Gewinnchance an und vermehrten damit ihren süßen Schatz.

 

Quelle: zitiert aus Gehirn und Geist, 4/2013