Aktienpopulismus für Dummies

Die Aktienabstinenz der Deutschen Anleger ist eine konstante Größe. Jedenfalls nahezu. Selbst Nullzinsen im hier und jetzt und in der Prognose ändern nur sehr wenig an der der Aktienzurückhaltung. Aber warum soll auch die Bereitschaft in Aktien zu investieren steigen, nur weil die Zinsen nahezu alle sind? Keine Zinsen sind kein Grund für den Kauf von Unternehmensbeteiligungen. Punkt.

Es wird also Zeit für einfachere Botschaften. Botschaften, die jeder verstehen könnte. Botschaften, die Lust auf Aktien machen müssten. Botschaften, die die Aktienkultur beleben. Botschaften für ein unwilliges und uneinsichtiges Anlegervolk.

Botschaften, wie die auf der Internetseite des Handelsblatts vom 31.3.2018. Unter dem Titel „Ein flammendes Plädoyer für die Aktie“ wird dem Leser „Finanzbildung“ einfachst und volkstümlich vermittelt. Aber eigentlich geht es um eine Buchempfehlung. Leider vernebelt der Autorin des Artikels die Euphorie über das Gelesene den Blick auf die Tatsachen.

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Bild: fotalia.de

Ihre These 1:

„Je länger man in Aktien anlegt, desto geringer wird das Risiko.“

Ja, für die Aktienanlage braucht Mann/Frau Zeit. Aber deswegen wird das „Risiko“ nicht kleiner. Risikoverständnis und Wahrscheinlichkeiten – hier geht es durcheinander wie in einer schlechten Mathematikarbeit. Was wird in diesem Fall eigentlich als „Risiko“ verstanden?

Ihre These 2:

„Es ist erwiesen: Je länger der Anlagezeitraum, desto geringer das Verlustrisiko. Nach 13 Jahren verschwindet es sogar ganz – allen Turbulenzen und Crashs zum Trotz. Das zeigt das Rendite-Risiko-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts (DAI).“

Uuups – das soll eine erwiesene Erkenntnis aus den vergangenheitsbezogenen Renditeauswertungen des Risiko-Rendite-Dreiecks sein? Nein, diese These ist nicht ableitbar! Jedenfalls dann nicht, wenn schulisches Grundwissen, wie das Lesen und Interpretieren von Sachtexten, auch nur näherungsweise beachtet wird. Gestern, heute, Zukunft – so geht das mit der Aktienanlage nicht.

Was bleibt nach dem Lesen?

Die Zukunft ist ungewiss. Das war gestern so, ist heute so und wird auch morgen so sein. Falsche Thesen oder Interpretationen aus der Vergangenheit ändern daran nichts. Sie programmieren Enttäuschungen. Der Artikel ist ein Beispiel für populistischen Aktienjournalismus. Eine klarere Darstellung der Sachverhalte hätte dem Artikel und damit den Lesern helfen können. Hätte. Aber dann wäre es nicht mehr so einfach mit der Aktie.

Und so wird es auch nichts mit der gewollten Aktienbegeisterung, jedenfalls einer ehrlich gemeinten. Oder der Artikel wird schnell vergessen. Gut so.

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Achtung Altersvorsorge auf Irrwegen!

Es ist Herbst und sie sind pünktlich zum Weltspartag da, die zahlreichen Umfragen zum Spar- und Anlageverhalten der Deutschen. Was gibt es Neues? Eigentlich, nichts. Im Umgang mit den Ergebnissen wird deutlich, wie es um das Spar- und Anlageverhalten und um das finanzielle Allgemeinwissen steht. Apropos finanzielles Allgemeinwissen. Nein, es sind nicht allein die potenziellen Sparer, welche mit diesem Probleme zu haben scheinen.

In der auflagenstarken Welt erscheint der Artikel „Deutsche sparen weniger fürs Alter – zu Recht“. Beim Lesen steht man unweigerlich vor der Frage, wie der Autor zu einem solchen Schluss kommt.

Was hat sich in den letzten Monaten ereignet, das es sich nicht mehr lohnt für die Zukunft zu sparen?

Wer glaubt wirklich daran, dass es mit der Rente in Deutschland in 20 Jahren so sein wird wie heute?

Sind niedrige Zinsen wirklich ursächlich für das mangelnde Interesse an der Zukunftssicherung?

Ist die Vorsorgewelt „alternativlos“ mit Zinsanlagen oder klassischen Lebensversicherungen verbunden?

Lohnen sich RiesterRenten wirklich nicht mehr? Betrifft das wirklich alle Riester-Sparideen?

ignoranz

Nein, es ist keine rationale Entscheidung vieler Deutscher, wenn für die Zeit nach der Arbeit nicht notwendigerweise gespart wird. Diese Entscheidung ist eine emotionale Entscheidung und als solche ansatzweise verständlich. Wenn die zu dieser Entscheidung führenden Überlegungen so oberflächlich sind wie dieser Artikel und die darin aufgeführten Argumente, dann wird deutlich: sie sind leider falsch. Darüber sollte von Finanzjournalisten geschrieben und Finanzentscheidern gesprochen werden.

Fazit:

Wenn sich die Idee, keine Zukunftssicherung zu betreiben, durchsetzt, handeln wir nach dem Motto „die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Aber Achtung, sie stirbt.