Nachhaltigkeit ist keine Frage des Gewissens!

Wissenschaftliche Erkenntnisse aus den vergangenen Jahren sind eindeutig: Klima und Umwelt verändern sich teilweise dramatisch. Der aktuelle Verbrauch natürlicher Ressourcen schränkt künftige Handlungsmöglichkeiten ein und geht zulasten der Ärmsten. Während Mitteleuropa noch gut in der Lage ist, auf erlebbare Umweltveränderungen zu reagieren, ist das in anderen Teilen der Erde schon nicht mehr möglich. Das vorhandene Wissen ist so umfassend, dass potenzielle Handlungsszenarien gut darstellbar sind. Die Folgen und Konsequenzen kriegerischer Auseinandersetzungen sind über die für alle erlebbaren Flüchtlingsströme im Alltag unseres Lebens angekommen. Persönlich Erlebbares und das Wissen über Zukunftsszenarien gehen längst weit über den Status von Gewissensdebatten hinaus. Aus der Gewissensfrage von gestern ist heute eine wissenschaftsbasierte Zukunftsfrage mit weitreichender Bedeutung geworden. Das wirkliche Erleben sowie wissenschaftliche Realitäten machen eine Gewissensdebatte entbehrlich.

Sollen Beratende die Nachhaltigkeitsfrage als Gewissensfrage in der Beratung stellen?

Wer Nachhaltigkeitserkenntnisse und ESGKriterien in Kundengesprächen als Gewissensfrage postuliert, stellt nicht nur vorliegende wissenschaftliche Erkenntnisse infrage, sondern eröffnet möglicherweise eine ethisch-moralische Kundendebatte. Dafür ist die Kundenberatung nicht der richtige Ort. Kunden sind gut in der Lage, wissensbasiert und informiert zu entscheiden, ob für sie eine nachhaltig ausgerichtete Vermögensstruktur infrage kommt.

Ist in der Vergangenheit immer wieder diskutiert worden, ob nachhaltige Investitionen die Rentabilität belasten, belegen zahlreiche Statistiken und Studien eine Korrelation zwischen positiver Performance und nachhaltigem Anlagestil. Aber ist das für Privatanlegende überhaupt ein entscheidender Anlagegrund? Ein gestiegener Teil der Privatanlegenden (im Übrigen ebenso wie immer mehr institutionelle Anleger) ist davon überzeugt, dass sich gewinnorientiertes Investieren und ein gutes Gewissen gar nicht widersprechen müssen. Privatanlegende, die sich mit einer nachhaltig ausgerichteten Vermögensstruktur oder nachhaltigen Anlagebausteinen beschäftigen, verzichten nicht auf mögliche Gewinne. Sie möchten diese aber „enkeltauglich“ sowie klima- und planetenschonend erreichen.

Folglich ist es nur konsequent, dass die Frage „Gewissen oder Gewinn“ nicht Gegenstand des Kundengesprächs sein sollte. Nachhaltigkeit setzt einen neuen Rahmen um die bekannten und nach wie vor gültigen Anforderungen der Vermögensanlage Liquidität, Ertrag und Sicherheit. Sie schafft aber kein neues Spannungsfeld!