Wir sind „konsequent pro“ „Schlumpfeis“!

Das schlug ja ein wie eine Bombe! Die Richter des EUGH legen mit ihrem Urteil wert darauf, dass ein Schnitzel ein Schnitzel und Milch wirklich Milch ist. Donnerwetter! Erstaunlich ist, wie heftig das Urteil des EUGH diskutiert wird, liegt doch der Handlungsbedarf in vielen Branchen wirklich auf der Hand.

Bright Blue Ice Cream with Colorful Candies

Ganz sicher denken wir bei „Babykartoffeln“ und bei der „Blutorange“ an nicht wirklich etwas Schlimmes. Auch beim „Schlumpfeis“ vermitteln wir unseren Kindern nicht die falschen Bilder. Allerdings soll es schon vorgekommen sein, dass „Pfefferspray“ auf so manchen Steak landete. Also nichts scheint unmöglich.

Und wie sieht es mit der Klarheit in den Produktinformationsblättern (PIB) zu Anlageprodukten aus? Die PIB`s – geschaffen um Klarheit zu schaffen. Es scheint aber eben nicht klar zu sein, für wen die Klarheit wichtig ist. Beim „Privatfonds: Konsequent pro“ kann im PIB ganz klar gelesen werden: „Damit eignet sich der Fonds für risikoscheue Anleger, die mäßige Risiken akzeptieren.“ Uups? Was bedeutet denn „risikoscheu“? Was ist ein „mäßiges“ Risiko? Ach ja die Fondsbezeichnung „konsequent pro“ steht für was? Konsequent pro Schlumpfeis? Das passiert, wenn das Marketing wichtiger zu sein scheint, als die von Anlegern eingeforderte Fondswahrheit und Fondsklarheit. Und die sollte bereits bei der Fondsbezeichnung anfangen.

Ach ja, da war doch noch was. Erinnern Sie sich an die „Bonitätsanleihen“ der HSH-Nordbank? Und schon ist sie wieder da, die Frage nach der Klarheit und Wahrheit und es sieht nicht wirklich gut aus … (aber bei der Bezeichnung wurde ja bereits regulierend eingegriffen).

„Klarheit für alle!“

Also statt wie in der Vergangenheit mit „Fonds für alle“ zu werben, schlagen wir ganz klar vor „Klarheit für alle!“, denn dann klappt`s auch wieder mit dem Anleger.

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„Wie junge Menschen ihre Altersvorsorge regeln“

… oder eben nicht

Unter dem obigen Titel wurde heute in der FAZ ein Artikel zur Altersvorsorge junger Menschen bereitgestellt. Und selten war ein Artikel so dünn und aussagelos, schlecht recherchiert und … (hier zu lesen)

Warum sollen in dem beschrieben und bestehenden Umfeld junge Menschen Altersvorsorge betreiben?

  1. 84 % wollen sich nicht auf den Staat verlassen (siehe Artikel),
  2. 45 %  vertrauen aber auch den Banken beim Thema Altersvorsorge nicht (siehe Artikel),
  3. 63 % sagen dasselbe über Versicherungen (siehe Artikel),
  4. Aktien bzw. Aktienfonds finden in der Beratung immer weniger erlebbar statt,
  5. die Sparverträge der Eltern wurden gekündigt,
  6. die Erfahrungen der Eltern aus eigenen ersten Aktiengeschäften sind aus den Crash`s der letzten Jahre geprägt,
  7. mangelndes eigenes Finanzwissen (siehe Artikel),
  8. Dominanzhormone bestimmen wichtige Lebensentscheidungen (Vorsorgen spielt da nicht wirklich eine Rolle),
  9. die bedeutenden Sparmotive sind Ausbildung und Familie,
  10. die Erwerbsbiografien verändern sich bereits heute,
  11. „Sofortness“ bestimmt die aktuellen Konsumentscheidungen und
  12. so wie Altersvorsorge derzeit angesprochen wird, wird die Zielgruppe nicht erreicht.

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Also, junge Menschen werden in diesem Umfeld, mit der Ansprache und Überzeugungsversuchen bzw. Grundregeln aus den 90zigern nicht zu überzeugen sein. Wenn wie in diesem Artikel argumentiert wird, dann drängt sich der Verdacht auf, dass die älteren Generationen Zahler für ihre Renten suchen. Das ist schade, für alle Beteiligten.

Oder der Artikel ist nur schlecht, dann bleibt die Hoffnung …

Anlagekultur – Der Privatanleger als Finanzanalphabet und mündiger Verbraucher (Anleger)

Finanzdienstleistungen sind ein schwieriges Metier. Typischerweise gilt, je unübersichtlicher die Märkte sind, um so unübersichtlicher sind auch die Produkte. Die Märkte 2016 waren und sind unübersichtlich. Im Umgang mit diesen Märkten sind der Kreativität bei der Produktgestaltung und auch der Produktbezeichnung durch die Anbieter (fast) keine Grenzen gesetzt. Auf der Strecke bleiben die privaten Finanzentscheider, denen ein einfaches Verstehen von Anlagelösungen deutlich erschwert wird. Ist das Absicht?

Ein Blick in die aktuellen Diskussionen des Jahres 2016, wie z.B dem möglichen Verbot von Zertifikatekonstruktionen, erleichtert das Verständnis darüber.

Einerseits wird deutschen Sparern, i.d.R. basierend auf Umfragen, in aller Regelmäßigkeit ihr Anlegerfehlverhalten attestiert, Anlegeranalphabetismus festgestellt, Finanzunterricht bereits an den Schulen eingefordert, sowie die bestehende Aktienkultur in D. beklagt. Andererseits wird immer dann, wenn es um ein mögliches Regulieren des Produktangebotes geht, der mündige Verbraucher beschworen. In guten Tagen in der gleichen Pressemitteilung oder sogar im gleichen Interview eines Branchenvertreters. Ja was ist denn nun richtig? Immer das, was gerade passt?

Darüber sind sich wahrscheinlich auch führende Finanzdienstleistungsvertreter nicht einig. Fakt ist jedoch, dass eine solche Diskussion weder dem Vertrauen in die Finanzdienstleistungsbranche, noch den möglichen Geschäften aller Beteiligten (inklusive der Privatanleger) zuträglich ist. Demut und Einsicht in der Diskussion wären ein möglicher und erster Weg der Besserung. Ist es Privatanlegern wirklich einfach möglich bestehende Produktkonstruktionen zu verstehen? Oder scheitert der Versuch bereits beim Namen des Angebotes? Ganz sicher geht es besser und einfacher.

Apropos „Aktienkultur“. Die Branchenanamnese, dass es in D. keine solche gibt, ist schlichtweg falsch. Die deutsche „Aktienkultur“ ist, wie sie ist. Sie ist auch ein Ergebnis des Umgangs mit der Aktie in der Anlageberatung der letzten Jahrzehnte. Und da hat die Branche in der Summe zu wenig für die Aktie getan.
Kultur ist keine Frage des Absatzes, sondern vielmehr eine Frage des sozialen Erlebens und Umgangs mit etwas, wie zum Beispiel der Aktie. Und gerade, wenn bei Anlegern der Eindruck entsteht, dass die Aktie erst „alternativlos“ ist, wenn die Zinsen alle sind, gilt es darüber nachzudenken und neue Wege zu beschreiten. Aber das ist eine wahrliche (und wahrscheinlich sogar „alternativlose“) Kulturfrage – eben eine Frage der Umgangskultur mit Kunden, Anlegern und Finanzentscheidern.

Es reicht mit der Regulierung …

Jeden Tag erleben wir es immer wieder, in Beraterrunden und Seminaren wird geschimpft. Mal über die Kunden, mal über die Produkte. Aber immer wieder über die Regulierung der Anlageberatung. Es ist auch unerträglich! Nein, nicht die Regulierung, sondern vielmehr die immer noch andauernde Diskussion darüber.

In der Umfrage des Verbandes der Privatbanken (2015) sprechen sich 72 Prozent der Befragten für eine weitergehende Regulierung von Banken und Finanzmarkt aus. Höher gewichtet werden nur die Themen Zuwanderung und Lebensmittelsicherheit. Die These, dass Kunden oder Anleger die Beratungsdokumentation ablehnen, lässt sich nicht aufrecht erhalten. Auch wenn es sie gibt, die Kunden, welche die Beratungsdokumentation für den Augenblick nach der Anlageberatung nicht benötigen. Aber vielleicht in 10 Jahren?

Wenn man den Worten von Herrn Schäuble, den Vereinbarungen aus dem aktuellen Koalitionsvertrag oder auch den Überlegungen aus Brüssel folgt, dann wird sehr schnell klar: die Beratungsdokumentation ist wie die Schwerkraft. Sie ist einfach da und geht nicht mehr weg.

Es wird also Zeit, sich daran zu gewöhnen. Übrigens: die persönliche Akzeptanz von unveränderbaren Gegebenheiten führt zu einer deutlichen Reduzierung der Fehlerrate! Die Beratungsdokumentation ist auch keine Frage der inneren Einstellung (deren Veränderung nur sehr schwer möglich ist), sondern einfach ein Frage der faktischen Anerkennung. Oder ist das Halten am Stoppschild eine Frage der inneren Einstellung? Wohl eher nicht.

aus dem schilderwald #6

Wenn Vertrauen eine wichtige Rolle in Ihrem Kundenumgang und für Ihr Geschäftsmodell spielt, dann überlegen Sie, ob eine dauerhafte und manchmal auch zu laute Kritik an der Beratungsdokumentation angebracht ist. Das gilt für Entscheider ebenso, wie für Kundenberater und Kundenberaterinnen. Denn als Anleger weiß ich, die Treppe wird immer von oben gefegt.

Ja, es reicht mit der Regulierung, wenn Sie in den Diskussionen keine Rolle mehr spielt. Denn dann gehört sie wie die Schwerkraft und das Stoppschild einfach zum Leben dazu. Hurra!