Wenn es EINFACH anders als in der Werbung kommt oder es könnte alles so EINFACH sein, ist es aber ….

Die Digitalisierung wird die Welt verändern, auch die Banken- und Sparkassenwelt. Alles wird schneller, klarer, leichter, eindeutiger und, und, und … es wird eine tolle super EINFACHe Welt! Aber, diese schöne Welt kommt erst noch, irgendwann später. Und was ist heute?

Was passiert heute, wenn ein richtiger Kunde, also kein Avatar, ein EINFACHstes Geschäft, wie zum Beispiel eine Einzahlung auf eine Drittbank in D. abwickeln möchte? Nein, es kommt noch kein Miniroboter Pepper und wickelt das Kundenanliegen ab. Nein, es gibt noch keine Automaten, die das tun. Nein, es geht einfach gar nicht (mehr). Uuups, damit hat Mann oder Frau nicht gerechnet. Nicht 2018. Und das ist gar nicht lustig. Vielmehr wird klar, dass sich das aktuelle Servicelevel auf einem unbeschreiblich niedrigen oder EINFACHstem Niveau befindet. Warum? Das ist Mann oder Frau egal. Kosten? Waren sogar auch egal. Hilfe wurde gebraucht und nicht erlebt.

Wenn Kontoführungsgebühren steigen, Filialen schließen, Kunden den Zahlungsverkehr komplett in Eigenregie online übernehmen, dann kommen sie EINFACH nicht mehr in die Sparkasse. So oder so. Und wenn sie dann bei einem EINFACHsten Anliegen mit einem „Das geht nicht!“ abgefertigt werden, dann haben sie verstanden. Verstanden, wo ihre Bedeutung ist. Sie ist EINFACH verschwunden. Schade …

Wenn Service EINFACH nicht erlebbar ist, ist der Kunde EINFACH verschwunden! Erst recht 2018.

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Banker, blast zum Halali!

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Liebe Banker, erklärt es uns: das Vertrauen in Banken und Versicherungen bewegt sich auf historischen Tiefstständen, hundertausendfach werden Sparverträge anbieterseitig gekündigt, über Regulierung wird bankseitig gejammert und nach wie vor ist ein Ende der Strafzahlungen aus dem Fehlverhalten von Euch nicht absehbar. Trotzdem sind die Bonizahlungen aus Sicht vieler möglicher Privatanleger gigantisch hoch.

Der Sprachgebrauch in Banken und zwischen uns, war und ist sehr speziell. Das können wir jeden Tag erleben, finden es aber sehr missachtend und nicht vertrauensbildend.

So bläst ein neuer Vorstand zum Aufbruch zur Jagd auf die Kunden seiner Bank! Mehr Jagdinstinkt wird von den Mitarbeitern eingefordert. Das kann er natürlich tun. Für mögliche Privatanleger ist das schwer zu lesen und erst recht nicht zu verstehen. Wird die Jagdbeute nicht sofort am Ort der Jagd ausgenommen? Ausgenommen? Das Gefühl kennen Privatanleger.

Im Schweizer Banking wird zum Seminar und Event mit einem bekannten Anlegerbetrüger eingeladen. „Somit haben während diesem unvergesslichen Abend die geladenen Gäste und einige Fans die Gelegenheit, nicht nur WIE der «Wolf of Wall Street», sondern sogar MIT dem «Wolf of Wall Street» zu feiern. Wer den Film gesehen hat, kann sich vorstellen, was das heisst…“ Genauso zu lesen auf finews.ch am 26.2.2017. Oh ja, wir haben eine Idee davon. Und wir erleben auch, dass der sogenannte «Wolf of Wall Street» seine Schulden nicht zahlt (finews.ch, 18.5.2018).

Jagdinstinkt und «Wolf of Wall Street» – so könnt ihr kommunizieren. Wundert euch aber nicht, wenn das Girokonto die Lieblingsanlageform der Deutschen bleibt. Es liegt garantiert nicht nur an den Nullzinsen und erst recht nicht an der Regulierung.

Denkt mal drüber nach, blast besser zum Halali und beendet die Jagd. Dann kommen auch wir aus der Deckung. Grüße (und nicht Weidmannsheil).

Aktienpopulismus für Dummies

Die Aktienabstinenz der Deutschen Anleger ist eine konstante Größe. Jedenfalls nahezu. Selbst Nullzinsen im hier und jetzt und in der Prognose ändern nur sehr wenig an der der Aktienzurückhaltung. Aber warum soll auch die Bereitschaft in Aktien zu investieren steigen, nur weil die Zinsen nahezu alle sind? Keine Zinsen sind kein Grund für den Kauf von Unternehmensbeteiligungen. Punkt.

Es wird also Zeit für einfachere Botschaften. Botschaften, die jeder verstehen könnte. Botschaften, die Lust auf Aktien machen müssten. Botschaften, die die Aktienkultur beleben. Botschaften für ein unwilliges und uneinsichtiges Anlegervolk.

Botschaften, wie die auf der Internetseite des Handelsblatts vom 31.3.2018. Unter dem Titel „Ein flammendes Plädoyer für die Aktie“ wird dem Leser „Finanzbildung“ einfachst und volkstümlich vermittelt. Aber eigentlich geht es um eine Buchempfehlung. Leider vernebelt der Autorin des Artikels die Euphorie über das Gelesene den Blick auf die Tatsachen.

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Bild: fotalia.de

Ihre These 1:

„Je länger man in Aktien anlegt, desto geringer wird das Risiko.“

Ja, für die Aktienanlage braucht Mann/Frau Zeit. Aber deswegen wird das „Risiko“ nicht kleiner. Risikoverständnis und Wahrscheinlichkeiten – hier geht es durcheinander wie in einer schlechten Mathematikarbeit. Was wird in diesem Fall eigentlich als „Risiko“ verstanden?

Ihre These 2:

„Es ist erwiesen: Je länger der Anlagezeitraum, desto geringer das Verlustrisiko. Nach 13 Jahren verschwindet es sogar ganz – allen Turbulenzen und Crashs zum Trotz. Das zeigt das Rendite-Risiko-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts (DAI).“

Uuups – das soll eine erwiesene Erkenntnis aus den vergangenheitsbezogenen Renditeauswertungen des Risiko-Rendite-Dreiecks sein? Nein, diese These ist nicht ableitbar! Jedenfalls dann nicht, wenn schulisches Grundwissen, wie das Lesen und Interpretieren von Sachtexten, auch nur näherungsweise beachtet wird. Gestern, heute, Zukunft – so geht das mit der Aktienanlage nicht.

Was bleibt nach dem Lesen?

Die Zukunft ist ungewiss. Das war gestern so, ist heute so und wird auch morgen so sein. Falsche Thesen oder Interpretationen aus der Vergangenheit ändern daran nichts. Sie programmieren Enttäuschungen. Der Artikel ist ein Beispiel für populistischen Aktienjournalismus. Eine klarere Darstellung der Sachverhalte hätte dem Artikel und damit den Lesern helfen können. Hätte. Aber dann wäre es nicht mehr so einfach mit der Aktie.

Und so wird es auch nichts mit der gewollten Aktienbegeisterung, jedenfalls einer ehrlich gemeinten. Oder der Artikel wird schnell vergessen. Gut so.

Gib den Kunden Zucker …

Mag es auch im Moment verpönt sein, einen positiven Beitrag über die Wirkung von Zucker zu posten, so heiligt der Zweck doch manchmal die Mittel. Und das ist gerade dann der Fall, wenn die neuen Regeln der Anlageberatung (MiFID II) nachhaltig zu wirken beginnen.

Transparenz schafft Konsequenz! Das kann nicht nur beim sensibleren Konsumverhalten sehr zuckerhaltiger Lebensmittel beobachtet werden. Nein, auch bei der transparenten Kostenangabe bei Wertpapieranlagen fragen immer mehr Anleger, welchen Gegenwert sie für die aufgeführten Preise eigentlich erhalten. Das Fairnessgefüge der Kunden-Berater-Beziehung kommt nur zu oft ins Wanken und für Anleger wird machmal ersichtlich, dass es nie wirklich bestanden hat.
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Was hat nun der Zucker mit dem Preisempfinden zu tun?

In der Studie von Eberhardt et al. (2010) zur Preisfairness wurde Teilnehmern vor einer  Preisbewertung Glukose (Zucker) verabreicht. Die neurobiologisch gut nachvollzieh-baren Ergebnisse zeigten, dass diese Teilnehmer bereit waren, einen höheren Preis zu zahlen bzw. zu akzeptieren, als die Teilnehmer, welche keinen Zucker bekamen. Nach einer erlebten Belohnung (Zuckergabe) werden Menschen großzügiger und damit bereiter, höhere Preise zu akzeptieren.

Unter Beachtung der täglich maximal einzunehmenden Zuckermengen kann es demnach sinnvoll sein, vor der Kostendarstellung Anlegern ein paar Pralinen anzubieten. Leider gibt die Studie keine Auskunft darüber, welche Zucker(Pralinen)-menge mit welcher Preisakzeptanz korreliert. Hierzu sind noch vielfältige Selbstversuche von Beratern/Beraterinnen notwendig. In Verbindung mit viel süßer Cola sollte da doch was gehen, oder?

Quelle:
The sweet side of sugar – the influence of raised insulin levels on price fairness and willingness to pay, Advance in Consumer Research, 37, 788-790

Wir sind „konsequent pro“ „Schlumpfeis“!

Das schlug ja ein wie eine Bombe! Die Richter des EUGH legen mit ihrem Urteil wert darauf, dass ein Schnitzel ein Schnitzel und Milch wirklich Milch ist. Donnerwetter! Erstaunlich ist, wie heftig das Urteil des EUGH diskutiert wird, liegt doch der Handlungsbedarf in vielen Branchen wirklich auf der Hand.

Bright Blue Ice Cream with Colorful Candies

Ganz sicher denken wir bei „Babykartoffeln“ und bei der „Blutorange“ an nicht wirklich etwas Schlimmes. Auch beim „Schlumpfeis“ vermitteln wir unseren Kindern nicht die falschen Bilder. Allerdings soll es schon vorgekommen sein, dass „Pfefferspray“ auf so manchen Steak landete. Also nichts scheint unmöglich.

Und wie sieht es mit der Klarheit in den Produktinformationsblättern (PIB) zu Anlageprodukten aus? Die PIB`s – geschaffen um Klarheit zu schaffen. Es scheint aber eben nicht klar zu sein, für wen die Klarheit wichtig ist. Beim „Privatfonds: Konsequent pro“ kann im PIB ganz klar gelesen werden: „Damit eignet sich der Fonds für risikoscheue Anleger, die mäßige Risiken akzeptieren.“ Uups? Was bedeutet denn „risikoscheu“? Was ist ein „mäßiges“ Risiko? Ach ja die Fondsbezeichnung „konsequent pro“ steht für was? Konsequent pro Schlumpfeis? Das passiert, wenn das Marketing wichtiger zu sein scheint, als die von Anlegern eingeforderte Fondswahrheit und Fondsklarheit. Und die sollte bereits bei der Fondsbezeichnung anfangen.

Ach ja, da war doch noch was. Erinnern Sie sich an die „Bonitätsanleihen“ der HSH-Nordbank? Und schon ist sie wieder da, die Frage nach der Klarheit und Wahrheit und es sieht nicht wirklich gut aus … (aber bei der Bezeichnung wurde ja bereits regulierend eingegriffen).

„Klarheit für alle!“

Also statt wie in der Vergangenheit mit „Fonds für alle“ zu werben, schlagen wir ganz klar vor „Klarheit für alle!“, denn dann klappt`s auch wieder mit dem Anleger.

„Wie junge Menschen ihre Altersvorsorge regeln“

… oder eben nicht

Unter dem obigen Titel wurde heute in der FAZ ein Artikel zur Altersvorsorge junger Menschen bereitgestellt. Und selten war ein Artikel so dünn und aussagelos, schlecht recherchiert und … (hier zu lesen)

Warum sollen in dem beschrieben und bestehenden Umfeld junge Menschen Altersvorsorge betreiben?

  1. 84 % wollen sich nicht auf den Staat verlassen (siehe Artikel),
  2. 45 %  vertrauen aber auch den Banken beim Thema Altersvorsorge nicht (siehe Artikel),
  3. 63 % sagen dasselbe über Versicherungen (siehe Artikel),
  4. Aktien bzw. Aktienfonds finden in der Beratung immer weniger erlebbar statt,
  5. die Sparverträge der Eltern wurden gekündigt,
  6. die Erfahrungen der Eltern aus eigenen ersten Aktiengeschäften sind aus den Crash`s der letzten Jahre geprägt,
  7. mangelndes eigenes Finanzwissen (siehe Artikel),
  8. Dominanzhormone bestimmen wichtige Lebensentscheidungen (Vorsorgen spielt da nicht wirklich eine Rolle),
  9. die bedeutenden Sparmotive sind Ausbildung und Familie,
  10. die Erwerbsbiografien verändern sich bereits heute,
  11. „Sofortness“ bestimmt die aktuellen Konsumentscheidungen und
  12. so wie Altersvorsorge derzeit angesprochen wird, wird die Zielgruppe nicht erreicht.

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Also, junge Menschen werden in diesem Umfeld, mit der Ansprache und Überzeugungsversuchen bzw. Grundregeln aus den 90zigern nicht zu überzeugen sein. Wenn wie in diesem Artikel argumentiert wird, dann drängt sich der Verdacht auf, dass die älteren Generationen Zahler für ihre Renten suchen. Das ist schade, für alle Beteiligten.

Oder der Artikel ist nur schlecht, dann bleibt die Hoffnung …

Anlagekultur – Der Privatanleger als Finanzanalphabet und mündiger Verbraucher (Anleger)

Finanzdienstleistungen sind ein schwieriges Metier. Typischerweise gilt, je unübersichtlicher die Märkte sind, um so unübersichtlicher sind auch die Produkte. Die Märkte 2016 waren und sind unübersichtlich. Im Umgang mit diesen Märkten sind der Kreativität bei der Produktgestaltung und auch der Produktbezeichnung durch die Anbieter (fast) keine Grenzen gesetzt. Auf der Strecke bleiben die privaten Finanzentscheider, denen ein einfaches Verstehen von Anlagelösungen deutlich erschwert wird. Ist das Absicht?

Ein Blick in die aktuellen Diskussionen des Jahres 2016, wie z.B dem möglichen Verbot von Zertifikatekonstruktionen, erleichtert das Verständnis darüber.

Einerseits wird deutschen Sparern, i.d.R. basierend auf Umfragen, in aller Regelmäßigkeit ihr Anlegerfehlverhalten attestiert, Anlegeranalphabetismus festgestellt, Finanzunterricht bereits an den Schulen eingefordert, sowie die bestehende Aktienkultur in D. beklagt. Andererseits wird immer dann, wenn es um ein mögliches Regulieren des Produktangebotes geht, der mündige Verbraucher beschworen. In guten Tagen in der gleichen Pressemitteilung oder sogar im gleichen Interview eines Branchenvertreters. Ja was ist denn nun richtig? Immer das, was gerade passt?

Darüber sind sich wahrscheinlich auch führende Finanzdienstleistungsvertreter nicht einig. Fakt ist jedoch, dass eine solche Diskussion weder dem Vertrauen in die Finanzdienstleistungsbranche, noch den möglichen Geschäften aller Beteiligten (inklusive der Privatanleger) zuträglich ist. Demut und Einsicht in der Diskussion wären ein möglicher und erster Weg der Besserung. Ist es Privatanlegern wirklich einfach möglich bestehende Produktkonstruktionen zu verstehen? Oder scheitert der Versuch bereits beim Namen des Angebotes? Ganz sicher geht es besser und einfacher.

Apropos „Aktienkultur“. Die Branchenanamnese, dass es in D. keine solche gibt, ist schlichtweg falsch. Die deutsche „Aktienkultur“ ist, wie sie ist. Sie ist auch ein Ergebnis des Umgangs mit der Aktie in der Anlageberatung der letzten Jahrzehnte. Und da hat die Branche in der Summe zu wenig für die Aktie getan.
Kultur ist keine Frage des Absatzes, sondern vielmehr eine Frage des sozialen Erlebens und Umgangs mit etwas, wie zum Beispiel der Aktie. Und gerade, wenn bei Anlegern der Eindruck entsteht, dass die Aktie erst „alternativlos“ ist, wenn die Zinsen alle sind, gilt es darüber nachzudenken und neue Wege zu beschreiten. Aber das ist eine wahrliche (und wahrscheinlich sogar „alternativlose“) Kulturfrage – eben eine Frage der Umgangskultur mit Kunden, Anlegern und Finanzentscheidern.