Ein Kuss, ein Parasit und die Aktienkultur

Nun ist es wieder soweit, die Wertpapierkultur in Deutschland soll verändert werden. Diesmal mit einem Werbespot. Die Deka wagt mit ihrem neuen Spot den Versuch, die „immer noch unterentwickelte Aktienkultur“ (Wie ein Kuss die Wertpapierkultur in Deutschland verändern soll, horizont.de) zu verändern.

Quelle: horizont.de

Wir haben es schon oft geschrieben und kommentiert: Kultur ist das, was da ist und nicht das, was Firmen und Branchen gerne hätten. Die sogenannte Aktienkultur daran zu messen, wie hoch die Aktienbesitzquote bzw. der Aktienfondsabsatz sind, ist und bleibt eine Branchendiskussion. Sie wird als solche nicht dazu führen, dass sich das Verhalten möglicher Sparer im Umgang mit der Aktie als Anlageklasse ändern wird. Dabei wird es auch nicht helfen, eine Kulturscheindebatte zu führen.

Wird die Aktie erlebbar in der Spareransprache als alternativlos bewertet, schnell, sofort und unmittelbar mit Risiko verknüpft sowie darüber hinaus mit Fremdwörtern gepaart, dann wird das Anlegerverhalten so bleiben, wie es gerade ist. Egal welcher Spot auch gesendet wird. Apropos Spot und Fremdwörter. Was sagt der Held des Films: „Ich wollte dir nur sagen, dass ich in Fondssparpläne der Deka investiert habe, um von allen Aktienbewegungen zu profitieren in volatilen Märkten.“ Volatile Märkte? Nun ja, Fragen Sie doch mal ihre Nachbarn, was das ist …

Ein anderer Weg etwas für die Aktienkultur zu tun, könnte auch darin bestehen, völlig neue Wege zu beschreiten. Wie kann es gelingen die Risikofreude der Deutschen und damit die Aktienkauffreude zu heben? Sauer macht risikofreudig. Zitronenlimonade in der Beratung könnte helfen. Aber vielleicht auch eine Katze. Der bekannte Katzenparasit Toxoplasma gondii führt bei Menschen angeblich zu einem veränderten Risikoverhalten. Betroffene sollen plötzlich „voll auf Risiko gehen“ (J. Flegr, Karls-Universität Prag). Und immerhin sind beinahe die Hälfte aller Deutschen vom Virus betroffen. Die Verhaltensauswirkungen des Toxoplasma gondii müssten also bereits jetzt erlebbare Auswirkungen auf die Aktienkultur haben. Stellen wir uns jetzt vor, wie unterentwickelt die sogenannte Aktienkultur in D. ohne den risikotreibenden Parasiten wäre …

Was bleibt? Aktienkultur ist kein Wunschkonzert! Sie ist aber ein erlebbarer Bestandteil der Beratungskultur in Sparkassen und Banken. Aktienkultur ist Beratungskultur und da kann etwas getan werden.

 

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