ESG- und Nachhaltigkeitsberatung – Pflicht oder Kür? Krampf oder Lust? Angst oder Hoffnung?

Die Sommer werden heißer und die Winter wärmer. Plastikmüll umkreist die Kreuzfahrtschiffe auf den Weltmeeren. Klimawandel und Erderwärmung bestimmen in weiten Teilen den gesellschaftlichen und politischen Diskurs sowie zunehmend wirtschaftliche Überlegungen. Die IAA in Frankfurt wird zum Sinnbild der aktuellen politischen Diskussion über unser ökonomisches und ökologisches Grundverständnis.

Die Gesellschaft diskutiert kontrovers, wie der ökologische Wandel gestaltet wird, wer welchen Beitrag leisten kann und bestimmt auch leisten muss. Aus aktuellen Umfragen wird deutlich, dass viele Deutsche bereit sind einen Beitrag zu leisten – auch und mit ihren Geldanlage- und Sparmöglichkeiten. Die Finanzbrache diskutiert noch, wie sie sich zum Thema Nachhaltigkeit verhalten soll. Und auch in dieser Debatte wird deutlich, warum politische Akteure im Umgang Finanzakteuren auf gesetzliche Regeln setzen. Freiwillig passiert zu wenig. 

Beraterinnen und Berater tun gut daran, diese Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen und aktiv mit ihren Kunden zu begleiten. Es wird um deutlich mehr gehen, als die formale Berücksichtigung von ESG-Kriterien im Rahmen der Umsetzung einer Regulierungsanforderung ab 2021. Mit einem kommunizierten Hinweis auf einen gesetzgeberisch erzwungenen Beratungsinhalt wird Privatanlegern schnell klar – freiwillig erfolgt die Nachhaltigkeits- und ESG-optimierte Ausrichtung der Vermögensstruktur nicht.

Aus der gesetzgeberischen Pflicht zur Befragung nach einer möglichen Nachhaltigkeits- und ESG-optimierten Umsetzung der Anlagelösungen kann und sollte sich ein modernes und achtsames Selbstverständnis für Berater und Beraterinnen an ihre Beratung entwickeln.  Warum drehen Sie den Ansatz nicht um? Warum sind Nachhaltigkeits- und ESG-optimierte Anlagevorschläge nicht der neue Standard für Vermögens- und Sparvorschläge ab 2021? Warum kann nicht eine Abweichung von dieser Grundausrichtung erfragt und dann auch dokumentiert werden?

Vielleicht kann es über die regulatorischen Anforderungen endlich gelingen, dass sich nachhaltige Anlagelösungen weg von Anlagemodethemen zu wirklichen Dauerlösungen entwickeln. Vergeben Sie diese Chance nicht so einfach.

Glückliches Kind hält Daumen hoch

 

Bedenken Sie: Die Vertrauenswerte für die Finanzbranche bewegen sich auf historischen Tiefstständen. In Zeiten möglicher Minuszinsen, möglicher weiterer Filialschließungen, Personalabbaumaßnahmen, Angebotseinschränkungen und auch anstehender Urteile aus den Cum-ex Prozessen, stehen der Branche erlebbare Freiwilligkeit und Sinnstiftung im Sinne ihrer Kunden und der ökologischen Herausforderungen gut.

Setzen Sie die Regulierungsanforderungen so um, dass Privatanleger einfach erleben, dass eine nachhaltige Vermögensanlage eine sinnstiftende Vermögensanlage sein kann und wird. Es wird sich für alle lohnen – für den Ertrag der Anleger und den der Branche, für die Zukunft unserer Kinder und bestimmt auch für das Image der Anlageberater und Anlageberaterinnen.

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