Statt über die Regulierung zu jammern, ist es besser die Baustellen zu kennen!

Dass Anlageberater/innen Einfluss auf die zu treffenden Anlageentscheidungen ihrer Kunden haben, ist keine neue Erkenntnis. Der Einfluss von Finanzbildung auf Anlageentscheidungen bzw. die „Aktienkultur“ wird diskutiert und von vielen Akteuren am Markt wie ein Schutzschild vor sich hergetragen. Wenn die Privatanleger doch schlauer wären … oder der Traum vom „Homo Ökonomikus“ wird zum Tagtraum!

Gerade in Zeiten der beginnenden regulatorischen Eingriffe in die Gestaltung der Anlageberatung macht es durchaus Sinn, sich zu hinterfragen, ob die Welt wirklich so ist, wie Mann/Frau, Anlageberater/innen oder auch Finanzdienstleister sie einfach gerne hätten. Die Welt wird klarer und Handlungsfelder erschliessen sich neu.

Die Ergebnisse einer neueren Untersuchung mit 800.000 kanadischen Privatanlegern, welche von 10.000 Finanzberatern begleitet werden, sind aus dieser Sicht aufschlussreich.

Fakt 1: Berater fördern eine erhöhte Risikobereitschaft ihrer Kunden.
Fakt 2: Berater passen ihre Ratschläge zur Risikobereitschaft zu wenig an
ihre Kunden an.
Fakt 3: Die Höhe des Risikos, welches ein Berater in seinem eigenen Portfolio eingeht,
ist eine starke Prognose für das Risikoverhalten seiner Kunden.
Fakt 4: Der Ertrag aufgrund der Risikoausweitung der Vermögensbestandteile wurde
nahezu durch die damit einhergehenden Kosten aufgezehrt.

Die in D. geltenden Vorschriften zur Anlageberatung fußen z.B. auf der der gesetzlich manifestierten Annahme (oder Hoffnung?), dass Anlageberater/Beraterinnen „wissen müssen, welche Rolle sie im Prozess der Geeignetheitsprüfung spielen“ (MaComp BT 7.3 Tz. 3). Der Gesetzgeber stellt dabei auf die rechtlichen und verfahrenstechnischen Anforderungen ab. Aber reicht das?

Wenn der Einfluss der Anlageberater/innen sehr viel weiter geht als bisher gedacht und/oder sogar gewusst, warum werden die Beratungsprozesse nicht dahingehend angepasst? Freiwillig? Aus eigenem und aus Anlegerinteresse?

Werden die Auswirkungen des Beraterverhaltens nicht freiwillig und anlegerorientiert von Finanzdienstleistern in ihren Beratungsprozessen beachtet, wird eine unweigerliche Spirale der Regulierung folgen.

Oder ganz einfach: Machen Finanzdienstleister die Augen zu, macht der Gesetzgeber die Augen auf. Die Erkenntnisse der Verhaltensökonomik machen, bereits heute erlebbar, auch vor der Rechtsprechung nicht halt – meistens zu Gunsten der Anleger.

Quelle: RETAIL FINANCIAL ADVICE: DOES ONE SIZE FIT ALL, Foerster/Linnainmaa/Melzer/Previtero

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s