Nehmen Sie Kreditkarten? Oder warum Bargeld für das Lernen wichtig ist.

Die Diskussionen um eine mögliche Abschaffung des Bargelds verstummen nicht. Erstaunlich in diesem Zusammenhang ist, dass die sich um die allgemeine Finanzbildung sorgende Finanzbranche diese Bemühungen unterstützt. Einen kleinen Einblick in das Geldlernen, also einen wesentlichen Lernbaustein der Finanzbildung, gibt ein aktueller Versuch aus Österreich.

Monopoly stamp

In einem Experiment mit 109 Schülern (zwischen acht und dreizehn Jahre alt) aus zwei österreichischen Schulen sollte herausgefunden werden, ob in einem Spiel auch Kreditkarten, die ja auf das Verhalten Erwachsener einen großen Einfluss haben, auch das Ausgabeverhalten auch von Kindern beeinflussen können. Dazu hatten die Kinder unter Anleitung in zwei getrennten Gruppen, das Brettspiel Monopoly zu spielen. Die Kontrollgruppe bekam das klassische Spiel mit Papiergeld für die Barzahlung, die Experimentgruppe eine Bankversion von Visa mit Kreditkarten zum Bezahlen. Nach dem Spiel bekamen die Kinder die Aufgabe, hypothetisch online zu shoppen und danach einen Fragebogen auszufüllen.

Die Befunde waren aufschlussreich:

Die Kinder des Kreditkartenspiels kauften sowohl mehr als auch teurere Produkte und gaben dabei mehr Geld aus. Als Begründung wurde angeführt, dass für sie der Geldabfluss weniger offensichtlich und sichtbar war. Darüber hinaus induzierte das Kreditkartenspiel schon erweiterte Wünsche, bevor die Kinder wussten, dass sie später beim Shoppen mit Kreditkarte bezahlen konnten.

Die Kinder der Kontrollgruppe hatten ständig vor Augen, wie das Papiergeld vor ihren Augen weniger wurde, und empfanden Geld als eine begrenzte Ressource.

Das unterschiedliche Alter spielte beim gezeigten Verhalten der Kinder keine Rolle.

Fazit:

Bargeld ist mehr als ein Symbol für die persönliche Freiheit. Den Umgang mit Geld zu lernen fällt wesentlich leichter, wenn es die Chance zum Begreifen im wahrsten Sinne des Wortes gibt. Das können Karten nicht leisten. Darüber hinaus findet Finanzbildung auch und gerade über den Umgang mit Bargeld statt. Denkt mal dran!

Quelle: Journal of Consumer Behaviour, Band 15, Heft 6/2016, Seiten 580-588

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